Irene Prugger, geb. 1959, lebt als Schriftstellerin und freie Journalistin in Mils bei Hall in Tirol.
Irene Prugger, geb. 1959, lebt als Schriftstellerin und freie Journalistin in Mils bei Hall in Tirol.

"Ein schöner Garten ist ein Raum für Herz, Geist und Seele und ein angenehmer Rückzugsort vor der hektischen Betriebsamkeit der Welt", sagte der stolze Gartenbesitzer, der uns eingeladen hatte, seine blühenden Beete zu bewundern. Wie wahr! Deshalb nahmen wir seine Einladung gern an. Wir wurden zu einem blütenumrankten Plätzchen geführt, nahmen an einem schön gedeckten Tisch Platz, bekamen einen Smoothie serviert, genossen im üppigen Grün die Sonne, umgeben von fröhlich summenden Bienchen und zwitschernden Vögeln. Alles wäre perfekt gewesen, doch der Mensch will das Paradies ja immer noch ein bisschen paradiesischer gestalten.

Der Gartenbesitzer griff zu seinem Smartphone, drückte auf einen Button und das Vogelgezwitscher wurde plötzlich von Musik übertönt, die sich wie eine Mischung aus Vivaldi und Vangelis anhörte. Sie kam aus zwei gut getarnten Lautsprechern, die sich in den Blumenbeeten befanden. Der nächste Button ließ eine Lampengirlande an einem mit Rosen bewachsenen Durchgangsbogen aufleuchten, deren Effekt sich an diesem Sonnentag allerdings ein wenig matt ausnahm. Die nächste Überraschung machte etwas mehr her, denn als der Gastgeber auf einen weiteren Button drückte, erhoben sich wie von Geisterhand mehrere kleine Rasensprenger aus der perfekt gewachsenen Rasenfläche, die in einem anmutig rotierenden Tanz das Grün beregneten.

Während wir das Rasenballett bestaunten, strich der Mähroboter um unsere Beine wie ein neugieriges Haustier. Einen Roboter, der sich ums Unkrautjäten kümmerte, sahen wir nicht, aber diese Marktneuheit, navigiert mit Satelliten und Laserhilfe, ausgestattet mit Bilderkennungskameras, um Nutz- und Schadpflanzen auseinanderzuhalten, war in diesem volldigitalisierten Gartenuniversum gewiss auch im Einsatz.

Schließlich zeigte uns der Gastgeber noch seine Gewächshäuser mit algorithmisch gesteuerter und ressourcenschonender Pflanzenernährung und integrierter Reifegradprüfung. Hier entschied der Computer über die optimalen Klimasollwerte, und die Gemüse- und Blumenpflanzen dankten es ihm mit gutem Gedeihen. Wir mussten zugeben: Ein grüner Daumen ist gleich noch einmal so effizient, wenn er bei der Pflanzenpflege bloß auf einen Knopf zu drücken braucht. Beim Smart Gardening ginge es vor allem darum, dass der Garten sich selber versorgen könne, ließen wir uns erklären. Die Hobbygärtnerei wird also in die Hände von Technikfreaks übergehen.

Keine Frage, der digitalisierte Garten funktionierte wunderbar und seine technische Ausstattung hatte gewiss auch ökologischen Wert. Wir fühlten uns dennoch ein bisschen wie bei der Vertreibung aus dem Paradies, denn als wir beim Abschied einen letzten Blick auf die Beete warfen, waren wir nicht mehr so sicher, ob die Blumen tatsächlich echt waren, oder ob wir nur einer grandiosen 3-D-Animation mit künstlich versprühter Duftessenz aufgesessen waren.