Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Ich sag es gleich, ich möchte jetzt nicht über die Situation der Pressefreiheit in Österreich sprechen. Warum nicht? Weil der Tag der Pressefreiheit gestern war. Und wie sangen schon die Rolling Stones: "Who wants yesterdays papers?" Eben. Es gibt auch andere Themen. Ein Blick nach Deutschland zeigt, man kann auch über Sozialismus diskutieren. Oder zumindest über Jungsozialismus. Denn in unserem Lieblingsnachbarland hat der Chef der Jusos, Kevin Kühnert, sich erdreistet zu überlegen, dass man ja Großbetriebe wie BMW vergesellschaften könnte. Oder eine Genossenschaft daraus machen. Oder sie könnten zumindest anders, demokratisch legitimiert, gelenkt werden. Na, mehr hat er nicht gebraucht, der Herr Jungvorsitzende. Charakterstarke Parteigenossen fragen sich, was der denn geraucht habe, und aus den Reihen der Leistungsträger von CDU und FDP sollen sogar ein paar vor Schreck in Ohnmacht auf einen finanziellen Polster gefallen sein. Ein Gespenst geht um in Europa, und es heißt "Kevin". Wie kann man auch nur einer wohlverdienten Industriellensippe wie etwa der BMW-Eigentürmerfamilie so einen Schreck einjagen? Was die nicht alles für Deutschland getan haben. Völlig selbstlos. Und egal, wer gerade an der Regierung war. Die haben immer schon Uniformen (also G’wand) geliefert, später auch Waffen und Munition. Und selbst nachdem Frieden und Demokratie ausgebrochen waren, haben sie brav weiter die Kassen von FDP, CDU und CSU gefüllt. Da fragt man sich doch: Gibt es in Deutschland keine andere Themen? Doch. Die Pressefreiheit in Österreich wird gerade in "Welt", ARD und Deutschlandfunk diskutiert und . . . oh, Verzeihung, das wollte ich ja eigentlich vermeiden. Obendrein haben wir ja heute den
4. Mai. Auf Englisch: May the fourth. Und das ist der internationale "Star Wars"-Tag, weil auf Englisch eben , "May the force be with you" heißt: "Möge die Macht mit dir sein." Diese lautmalerische Parallele reicht den nerdigen Fans schon, um sich an Luke, Han und Leila und wie sie alle heißen zu erinnern. Dazu passt umso besser - wenn auch tragisch - die Meldung, dass Chewbacca-Darsteller Peter Mayhew vor ein paar Tagen das Zeitliche gesegnet hat. Wer die Rolle nicht kennt: Das war eine 2,30 Meter große Mischung aus Orang-Utan und Aufwischmob, die zwar genial ein Raumschiff steuern, reparieren und daraus Merchandising-Produkte herstellen konnte, aber sprachlich über klares "Uuuaaaöööaauuuuh!" nie hinauskam. Ich habe mich stets gefragt, wer eigentlich die traurige Gestalt war, die in diesem stickigen, heißen Kostüm monatelang durch Hollywood-Studios hatschen und sich zum Affen machen musste, während sich im Nebenraumschiff Harrison Ford und Carrie Fischer gerade interstellar verlustierten. Noch bitterer finde ich eigentlich nur die Rolle des Darth Vader. Den verkörperte erst ein britischer Gewichtheber (buchstäblich, denn die Stimme kam von einem Schauspieler), der dann durch einen zehnjährigen Buben ersetzt wurde. Aber woher kenne ich das? Ein Fürst der Finsternis, der Menschen - ohne sie zu berühren - zum Schweigen bringt, und ein kleiner Bub bekommt dafür die ganzen Lorbeeren? Oh, Entschuldigung, darüber wollte ich ja nicht reden . . .

Severin Groebner ist
Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Alle Beiträge dieser
Rubrik unter:
www.wienerzeitung.at/
glossenhauer