Die Aufregung war groß im Staate, nachdem der junge Satiriker mit einem Schlag die gesamte Politik seiner Heimat an den Pranger gestellt und ihren einflussreichsten Vertreter vor aller Augen lächerlich gemacht hatte: Man schrieb das Jahr 426 v. Chr. und der junge Mann hieß Aristophanes, damals dichterisches Nachwuchstalent, das später ob seines Wortwitzes und seiner absurden Handlungskonstellationen von seinem Publikum verehrt wurde. Platon war einer seiner bekanntesten Fans und sagte, dass die Musen einen unvergänglichen Platz in Aristophanes’ Geist gefunden hätten.

In diesem Jahr 426 v. Chr. stand Aristophanes erst ganz am Beginn seiner Karriere und präsentierte bei den Großen Dionysien sein erstes Skandalstück. Die Großen Dionysien waren eines der Hauptfeste im alten Athen, bei denen Aufführungen zu Ehren der Gottheit dargeboten und in Wettkämpfen prämiert wurden. Neben den teils noch heute gespielten Tragödien und Komödien gab es auch die kaum noch bekannten Dithyrambenchöre sowie Satyrspiele im Anschluss an die tragischen Stücke.

In der zweiten Hälfte des 5. Jh. v. Chr. waren dabei auch die Vertreter der athenischen Verbündeten anwesend, um ihrer Schutzmacht die Treue zu schwören und die fälligen Tributzahlungen zu leisten. Ein politisch brisanter Moment also, in welchem Aristophanes seine "Babylonier" zur Aufführung brachte.

In diesem Stück, von dem nur noch Ausschnitte erhalten sind, ließ der Dichter die Städte des Attischen Seebundes als hart arbeitende Sklaven an der Handmühle des Militärführers Kleon darstellen und prangerte so das Demagogentum und den Imperialismus seiner Heimatstadt an. Kleon war zu jener Zeit der führende Politiker Athens, ein Mann, der sich aus kleinen Verhältnissen zum einflussreichen Demagogen hinaufgearbeitet hatte, wobei er - wie antike Quellen berichten - einen neuen politischen Stil pflegte. Er sei der Erste gewesen, der auf der Rednertribüne schrie und schimpfte und "durch seine unkontrollierte Impulsivität das Volk mehr als sonst jemand verdorben hat".

Diese negative Darstellung geht auf den Verfasser der "Athenaion Politeia", einer kurzen Darstellung der athenischen Verfassung, sowie eben auf Aristophanes zurück. Letzterer wurde auch von Kleon aufgrund der negativen Darstellung in den "Babyloniern" wegen Verleumdung und Beleidigung der Polis (also der Gesamtheit aller athenischen Bürger) angezeigt. Es zeugt von der Ausgewogenheit und Unabhängigkeit der Gerichtsbarkeit, dass der Komödiendichter nicht belangt wurde und weiterhin seine Satiren auf die athenische Politik und ihre Demagogen auf die Bühne bringen konnte.