Schön langsam fang ich echt an, an Wunder zu glauben. Ich mach also die Postempfangsbox auf, dieses gelbe Kastl zur Hinterlegung von Paketen, und - da ist sie plötzlich drin. Ja? Meine verschollene Tochter? Nein, nicht die. Nicht, dass der Postler sie dort nicht reingebracht hätte. (Der könnte einen Elefanten ins Gemüsefach von meinem Kühlschrank stopfen.) Einmal hab ich mein Paket sogar ausweiden müssen und schließlich zerstückeln, um es rauszukriegen. (Um meine Tochter zu befreien, hätte ich aber die Feuerwehr gerufen.) Meine Bluse! Die war in der Box!

Mich hat ja eine wildfremde "junge Dame" adoptiert. Als ihre Mama. Und den Paketzusteller überredet, ihr mein Packl zu übergeben. Das hat man ihr nun offenbar brutal entrissen. Sind das Bissspuren? (Wenn ich gewusst hätte, dass die Post bei der Paketnachforschung Spürhunde einsetzt und die keinen Maulkorb tragen . . .) Das wird jetzt wohl nix mit dem Gedicht am Muttertag. Am ersten August werde ich mir das ebenfalls selber aufsagen müssen. An meinem eigentlichen Tag. Dem Tag der Kinderlosen. Der gewollt Kinderlosen. Auch wenn andere hartnäckig behaupten, das wäre aber der Weltmittelfingertag. (Der Tag des Binnen-Is?) Bloß ein Ablenkungsmanöver der Wirtschaft. No na. Die lebt davon, dass die Konsumenten viele, viele weitere Konsumenten produzieren. Okay, wer sollte einer Kinderlosen auch was schenken? Und was? Ein "Beste Nichtmama der Welt"-Häferl? Bei Müttern und Vätern ist’s leicht. Erstere bekommen an ihrem Tag Sachen, die riechen (Blumen, Parfums), und Letztere . . . hm. "A Krawattn. Oder Sockn." (Der Heinz weiß Bescheid. Nicht, weil er Papa ist, sondern weil er Sohn war.) - "A Krawattn? Trogt doch ned amoi da Bundeskanzler mehr." - "Oba Sockn." - "Weiß mas? Vielleicht setzt da Kurz do a scho längst an neuen Trend."

Dabei leiste ich einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft, indem ich mich nicht fortpflanze. In Zeiten von Wohnungsnot, hoher Arbeitslosigkeit . . . - und meine Gschrappen (und Enkelgschrappen) werden garantiert keine Plastikflaschen ins Meer werfen, nicht den Führerschein machen oder eine Hungersnot auslösen (weil sie was zum Essen brauchen, trotz Klimawandel). Und wer dankt mir meinen altruistischen Egoismus? Der Schwarzstirnwürger? Weil er das Artensterben jetzt ganz knapp überleben wird? (Na ja, das Meerschweinchen wird dafür eventuell schon aussterben. Weil mein Nachwuchs keine Haustiere hat.) He, und wenn ich doch die Biodiversität bedrohe? Wenn meinetwegen die Österreicher aussterben? Es zu diesem "Bevölkerungsaustausch" kommt? Na und? Hier geht’s nicht um Patriotismus, hier geht’s um die gesamte Menschheit, hallo? Außerdem: Wenn Österreich auf einen EU-Kommissar verzichten kann, dann sicher auch auf die Österreicher.

Manchmal besteht die Leistung jedenfalls gerade im Nichtstun. Hab ich in der Schule gelernt. In Religion. Da hat einer gemeint, es wäre unfair, dass "die Aigner an Aansa kriegt, obwohl die nie wos sogt", und er, der fleißig seine Meinung äußert (Betonung auf: seine), muss zur Entscheidungsprüfung zwischen vier und fünf antreten. Daraufhin hat der Pfarrer meine "passive Mitarbeit" gelobt. Und heute arbeite ich eben passiv am Fortbestand der Menschheit mit. Und dafür will ich gefälligst einen Einser.