Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek

Es nervt, aber es ist so. Ich rufe bei einem großen Unternehmen an und eine automatische Vermittlung spricht mit mir. "Bitte tippen Sie Ihre Kundennummer ein!" Ich habe sie nicht bei der Hand. "Formulieren Sie Ihr Anliegen mit einfachen Worten!" Der Grund meines Anrufes ist viel zu komplex. "Treffen Sie aus einem der folgenden Themenbereiche eine Auswahl und drücken Sie eine Ziffer!" Das ist noch die angenehmste Variante. Wenn ich mich nicht entscheide, komme ich nach langer Wartezeit zu einem real existierenden Menschen. Auch das gibt es noch.

Meist sind es weibliche Stimmen - auch bei den digitalen Assistenten. Das sind die kleinen Helferlein, die einem das Leben erleichtern sollen. Sie lesen den Wetterbericht vor, kennen die Abfahrtspläne der Bahn und spielen auf Wunsch jede Art von Musik. Zur weiblichen Stimme gehört natürlich auch ein weiblicher Vorname. Das System von Apple hört auf den ungewöhnlichen Vornamen Siri, und das kam so. Einer der Firmengründer war mit einer Finnin verheiratet. Als die Frau schwanger wurde, sollte das Kind Siri heißen, das ist ein in Skandinavien häufiger Vorname. Allerdings wurde es ein Bub, deshalb verwendete der Vater den Namen für eine andere Sache. Er registrierte die Domain siri.com. Später wurde die Firma von Apple gekauft, doch der Name blieb erhalten. Siri ist "die Schöne, die Siegreiche". Sigrid hat dieselbe Herkunft.

Während Google seinem digitalen Assistenten keinen Namen gab, hat sich Amazon den Namen Alexa ausgedacht, eine Kurzform von Alexandra. Der Vorname stammt aus dem Griechischen und bedeutet "die Frau, die fremde Männer abwehrt, die Beschützerin". Da mit dem Ruf "Alexa!" das Gerät aus dem Standby geholt wird, musste es ein Name sein, der nicht allzu häufig ist. Wer ein Familienmitglied oder ein Haustier hat, das "Alexa" heißt, wird wohl umprogrammieren müssen. Angeblich geht das ganz leicht.

Bei den Banken sieht die Sache anders aus. Wenn es darum geht, die Kunden zum Internetbanking zu bewegen, muss ein Mann her. "George spart Zeit. Und George macht Spaß. George ist das modernste Banking Österreichs." Warum die englische Variante des Vornamens gewählt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Der international gebräuchliche Name stammt aus dem Griechischen, die erste Komponente bedeutet "Erde", die zweite "Arbeit". Das ergibt summa summarum einen "Landwirt".

Der Name Georg würde also der Herkunft nach besser zur Raiffeisenbank passen. Aber dort hat man sich für Elba entschieden. Ich dachte zunächst, Elba ist ein Vorname, der auf die toskanischen Insel Elba zurückgeht. Wer sich hineinklickt, merkt sofort, dass das in diesem Fall nicht stimmt. Auf YouTube finde ich ein bemerkenswertes Video der Bank. Ein Mann sagt: "Herzlich willkommen zu ,Mein Elba‘, Österreichs persönlichstes Finanzportal". Über die Präposition "zu" nach "willkommen" könnte ich eine eigene Glosse schreiben, das Wort "persönlich" müsste im Dativ stehen und der Superlativ "persönlichst" ist auch nicht ohne. Aber "Mein Elba" ist korrekt. Elba hat ein sächliches Geschlecht. Das Wort ist aus den Anfangsbuchstaben von "Electronic Banking" gebildet.

Robert Sedlaczek ist
Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.