Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur im "extra" der Wiener Zeitung.
Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur im "extra" der Wiener Zeitung.

Ein popkulturelles Statement zum Sachverhalt stammt von der Worried Men Skiffle Group, wurde im Jahr 1970 veröffentlicht und heißt "Da Mensch is a Sau". Der dazugehörige Songtext hat inhaltlich auch im Jahr 2019 noch seine Richtigkeit, was man daran erkennen kann, dass die jungen Leute von heute wieder für den Klimaschutz und gegen die totale Vermüllung unseres Heimatplaneten auf die Barrikaden - und auf die Straße - gehen.

Der Songtitel selbst ist verlässlich aber auch auf nach wie vor auftretende moralische Verfehlungen im politisch-wirtschaftlichen Machtkomplex oder im sehr privaten Bereich anwendbar, nur im schnöden Alltag scheint sich kulturgeschichtlich doch recht viel getan zu haben, seit sich der Mensch im Mittelalter nicht so recht waschen konnte - oder wollte (Warum auch? Und wozu?).

Man kann das entlang der Themengebiete Körperhygiene, Struktur und Ordnung oder privathaushaltlich vorbildliches Reinigungsmanagement jederzeit überprüfen und muss dafür beispielsweise nicht mehr in die Halbwelt des einst vom Wildwuchs dominierten Erwachsenenfilmes abtauchen (schockierend vor allem für junge Leute, früher wurde Brusthaar im Tom-Selleck-Look auch unten herum getragen!). Es reicht in der Gegenwart auch ein gewöhnlicher Besuch in jeder nicht einschlägigen Sauna für die Erkenntnis, dass die einst etwa aus Sichtschutzgründen angewandte Genauigkeit beim Trimmen von Hecken heute im Intimbereich vorherrscht und dort längst den Durchschnittsbürger erreicht hat.

Ob das vordergründig hygienische Gründe hat, bleibt natürlich anzuzweifeln, dafür sind wir gesellschaftlich einfach zu oversexed und underfucked. Als relativ sicher gilt im Vergleich, dass eine der eigenartigeren Medienkarrieren der letzten Jahre ganz und gar in den nichtschweinischen Bereich fällt. Die japanische Bestsellerautorin Marie Kondo half Menschen mit Defiziten im strukturellen Denken und gleichzeitigen Problemen beim Loslassen heuer erstmals auch via Netflix dabei, zu ordnen, sortieren, falten und auszumisten. Ausmisten ist unter Messies ein Fremdwort, in der Wohlstandsgesellschaft aber eigentlich ebenso notwendig wie in jeder durchschnittlichen Wohnung in Tokio, die bereits übergeht, wenn man zwei Einkaufstaschen und ein Mittags-Bento hineinstellt.

Dass dort zumindest schnell geputzt ist, bringt uns auch schon zum letzten Punkt, von dem zuletzt im Freundeskreis die Rede war: Putzen, bevor die Putzfrau kommt. Abgesehen von der grundsätzlichen Absurdität des Unterfangens ist es ja doch etwas seltsam, Geld für eine Leistung auszugeben, die man dann erst selbst erbringt. Finanzielles Gegensteuern wäre zwar möglich - durch, sagen wir, essen, bevor man essen geht. Aber das ist jetzt wirklich ein ganz anderes Thema (außer man ordert Schwein).