Der Katalog, den ich gerade in Händen halte, ist nicht mehr ganz aktuell. Ablaufdatum: April 2019. Aber Sie können beim nächsten Trip mit Austrian Airlines - etwa nach Ibiza, Washington oder Moskau - gern selbst überprüfen, ob das Angebot noch existiert. Unter dem Titel "Fly & Buy" gibt es an Bord von AUA-Flugzeugen nicht nur die üblichen Mitbringsel wie Parfums, Schmuckkettchen, Schokolade oder Zigarren zu kaufen. Sondern auch Uhren und Kugelschreiber.

Ja, und?, hör’ ich Sie fragen. Uhren? Kugelschreiber? Nun: Man kann damit die Zeit ablesen oder Zettel vollkritzeln, mit zwei speziellen Exemplaren im Bordangebot aber weit mehr. Die "Camerawatch" von Time Berlin etwa bietet Audio- und Videoaufnahmen mit vier Gigabyte internem Speicher. Für 69 Euro ein wohlfeiles Angebot, wie ich meine, zumal es ein "sportliches Silikonarmband" und zwei Jahre Garantie als Draufgabe gibt. Weltweit. Die "Camera Pen" von Kyutec kostet gleich viel, kann mit ihrer doppelten Speicherkapazität aber über zwei Stunden Videos "mit Ton und in Farbe" (Werbetext) aufnehmen. Und darüber hinaus auch noch Verwendung als USB-Datenträger oder Diktiergerät finden. Eine Mini-LED-Taschenlampe gibt’s gratis dazu.

Ich wollte mir schon eines dieser Tech-Gadgets beim letzten Flug spontan kaufen, aber es erschien mir dann doch zu, hm, kindisch. Dem 007-Nachwuchs-Alter bin ich eindeutig entwachsen. Wer aber erwirbt solche Ausrüstungsgegenstände für Amateur-Agenten? Ich bin mir sicher: Die Antwort des AUA-Pressesprechers lautet "Kein Kommentar" - also greife ich erst gar nicht zum Telefon. Dass unscheinbare und damit von wenig robusten Trinkkumpanen, prahlerischen Wasserverkäufern und arglosen Gesprächs- und Sexualpartnern oft unbemerkte Überwachungs-Tools zu drastischen Folgen führen können, hat jeder österreichische Staatsbürger in den letzten Tagen vor Augen geführt bekommen. Ob man damit gegen die Datenschutzgrundverordnung, sonstige Gesetze oder auch nur die guten Sitten verstößt, ist wohl keine Frage, die sich Geheimdienstnehmer stellen. Zumal, wenn sie im Ferienflieger zwischen Wien und einer sonnigen Insel sitzen.

Auch der oder die Sortimentsverantwortliche für den On-Board-Verkauf der Austrian Airlines scheint’s eher lustig zu nehmen. Wobei: Wenn im Werbesticker "Travel Value Exclusive" auch nur ein Funke Wahrheit steckt, bietet die Fluglinie Uhr und Kugelschreiber samt Kamera und Mikrofon tatsächlich alleine auf weiter Flur an. Ob das mit dem BVT, dem Bundesamt für Verfassungsschutz, akkordiert ist? Vielleicht bekommt Letzteres ja auch Mengenrabatt.

Erinnern Sie sich noch an die "Spion vs. Spion"-Comics im längst eingestellten "Mad"-Magazin? Das Lachen über diesen ganzen Geheimdienst-Kram und sein Personal bleibt einem leider im Hals stecken. Dann nämlich, wenn man bedenkt, dass Leute, die Fantasieuniformen tragen, Reitertruppen kommandieren und in unerbittlich schnarrendem Propagandaton Asylunterkünfte in Ausreisezentren umbenennen, an ihrer Spitze stehen. Oder, geheimen Kameras und versteckten Mikrofonen sei dank, standen. Für irgendwas muss dieses Werkzeug also gut sein.