Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Haben Sie das Ende von "Games of Thrones" gesehen? Nein? Ich auch nicht. Es war mir auch wirklich egal. Für mich ist das Comedy. Oder Sportübertragung. Bestenfalls so was wie eine Mischung aus "Barbara Karlich Show", Opernball, Mittelalterfest und Wetterbericht auf sehr lang. Kurz gesagt: Es ist ein bisschen mau. Gut, fairerweise muss man sagen, die Konkurrenz war auch hart vergangene Woche. Für alle total Enthirnten gab es den ESC, und der Rest war geschlossen auf die Seite von "Spiegel" und "Süddeutsche" gewechselt, wo eine der fiesesten Serien der vergangenen Jahre ihrem vorläufigen Höhepunkt zu steuerte.

Zugegeben: Die vergangenen Wochen hatte man sich schon gedacht, den Drehbuchautoren fiele gar nichts mehr ein. Diese ständige Leier von seriellen Einzelfällen und ausufernden Ausrutschern langweilte das Publikum bereits zutiefst. Der breiten Masse war mittlerweile egal, welche Ratte in Braunau welchen Runen pinselnden Maler dabei unterstützte, nichts mit den Identitären zu tun zu haben. Und noch am Freitag dachte man nach den Statements von Neonazi Gottfried Küssel über den Nicht-Neonazi HC Strache (Quelle: Küssel), das werde jetzt der x-te langweilige Neuaufguss des Empörungs- und Dementi-Skripts, da - Bumm! - überraschten die Macher plötzlich ihre Fans mit einem genialen Twist.

Wie auf einer Seitenbühne im Theater wurde quasi der Film im Film eröffnet. Das allein war schon eine formal sehr gute Idee, die nur noch vom Inhalt getoppt wurde. Waren kurz zuvor noch alle Zuseher schon völlig genervt vom ewigen Gleichen, kam jetzt mit "Ibiza" eine völlig neue Storyline hinzu. Und auch den Hauptdarsteller (genial in der Darstellung seines wahren Selbst: HC Strache) kann man eigentlich nicht genug loben. Man darf nicht vergessen, dass der Mann hier nicht nur völlig unentgeltlich mitwirkte (quasi aus lauter Spaß an der Freud’), sondern obendrein auch das darstellerische Handwerk gar nicht gelernt hat.

Dem nicht genug, entspinnt sich seither auch auf der eigentlichen Handlungsebene eine völlig neue Dramaturgie. Besoffene Geschichten mit Opfer-Arien wechseln sich ab mit der Psycho-Schmonzette "Die Leiden des jungen Kurz". Jetzt ist natürlich alles möglich: In einschlägigen Fan-Foren rechnen sogar einige noch mit dem Jeanne D’Arc-artigen Auftauchen der Joyhanna der Löwelstraße, aber da sagen die meisten, dann wird es pure Fantasy.

Viel eher darf man - so Branchen-Insider - mit einem anderen Trick rechnen. In der Szene wird dieser Plot-Twist auch der "catholic move" genannt und könnte das plötzliche Auftauchen des Heiligen Sebastians bedeuten, der - den Ballhausplatz überschreitend, ohne den Boden zu berühren - mit flammendem Schwert jene barbarischen Horden aus den höchsten Ämtern vertreibt, in die er selbst sie erst 15 Monate zuvor zwecks innerer Einkehr eingelassen hat.

Wie geht es weiter? Kommt der alte Gandalf in der Hofburg mit seinem Zaubertrick "Das Vertrauen wieder herstellen" noch einmal zum Zug? Es bleibt spannend. Ach ja, Sie können übrigens mitvoten, wie es weitergeht. Morgen. Und dann beim Ende von Staffel eins im September.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

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glossenhauer