Als ich wieder jung gewesen bin, stand ich in der alleresten Reihe vor dem Schloss Schönbrunn und sah dem sexy Sänger beim Hüftschwung zu, während das Bier fremder Menschen über meinen Rücken floss. Später dann bei den Baustellentoiletten bin ich dem Herrgott für die Wahl des richtigen Schuhwerks dankbar. Beim Zurückdrängen bis in die allereste Reihe vor dem Schloss Schönbrunn bekomme ich weitere Bierbecher ab. In der Ekstase kann das schon geschehen. Rund um mich herum herrscht die Ekstase. Ich dagegen habe die absolute Ruhe weg. Aber so wirklich auch erst, seit ich auf den Baustellentoiletten gewesen bin.
Links von mir tanzen drei junge Frauen. Sie sind allesamt sehr klein. Als der Gitarrist mit den langen Armen und der seltsamen Frisur direkt wie bestellt vor uns ein langes Solo spielt und sich dabei merkwürdig verrenkt und mit den Mundwinkeln zuckt, schreit eine der drei jungen Frauen noch lauter als zuvor und lässt sich huckepack von einer anderen auf die Schultern nehmen. Nun ist sie gleich groß wie ich. Ich grinse sie an. Sie schreit wie von Sinnen, dass der Gitarrist mit den langen Armen unglaublich sexy ist. Ich dachte bis jetzt, dass nur der Sänger sexy sei. Dann mache ich zwei, drei Tanzschritte. Nicht mehr. Man will ja nicht die Contenance verlieren.
Als älterer Herr beim Open Air bin ich stets um Contenance bemüht. Ersten muss die Welt schleunigst begreifen, dass die fesche Begleitung die brave Tochter und nicht etwa die Sekretärin ist. Zweitens bin ich gerne der, der für die Biere bezahlt, nur holen will ich sie nicht, weil so wie ich mich durch die Menge dränge, kommen die Becher niemals vor der Bühne an. Drittens gibt es keine Luftsprünge mehr. Nach dem letzten Luftsprung brauchte ich die Muskelsalbe. Ich bin drei Tage gehumpelt und gebracht hat es nichts. Die jungen Menschen sind mir ausgewichen. Während sie auf den sexy Sänger schauten.