Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek

Das waren damals meine Lieblingslieder: "Sein Köpferl im Sand", "Sie hab’n a Haus baut" und "Der Spiritus". Der Maler Arik Brauer überraschte uns mit einer Schallplatte und entpuppte sich damit auch als erfolgreicher Liedermacher.

Jetzt hat er ein liebenswertes Buch verfasst: "A Jud und keck a no". Brauer sagt viel Gescheites über seine "Jüdischkeit", über Österreich und über den Antisemitismus. Er bringt außerdem einige jüdische Witze in Reimform. Diese hat er vertont, die handgeschriebenen Noten stehen neben den Texten. Zu jedem Witz/Lied hat Arik Brauer eine Zeichnung angefertigt. Damit sind seine beiden Künste miteinander vereint.

Ein Witz in Reimform klingt so: "Ein Schiff gerät in Seenot, alle springen in den Rettungskahn / Am Deck allein sitzt der Herr Blau und liest in an Roman. /Der Käpt’n schreit: ,Das Schiff versinkt, wir sitzen auf an Riff!‘ / Herr Blau sagt: ,Masl tov, zum Glück das Schiff ist ja nicht mein Schiff.‘"

Früher war es durchaus üblich, klassische Witze in Form eines Gedichts zu bringen. Sie bekamen dadurch einen zusätzlichen Reiz. Man mag hier an ein Gedicht von Armin Berg denken, das dieser in seinen Auftritten häufig vortrug. "Mit einer Hose kam Herr Kohn / Nach Wien - jetzt hat er ä Million. / Oft hab’ ich drüber nachgedacht / Was der mit so viel Hosen macht."

Wäre es ein normaler Witz, so müsste er wohl in Dialogform erzählt werden. "Herr Kohn ist mit einer Hose nach Wien gekommen, jetzt hat er eine Million." - "Was macht er mit so vielen Hosen?"

Auch Karl Farkas reimte gerne. Der Sketch "Urlaubssorgen" aus den 1920er Jahren spielt auf ein politisches Ereignis an. "Und in Frankfurt ward mir auf ein Haar / Der Unterschied zwischen Wienern und Frankfurtern klar. / Denn die Frankfurter werden mit Senf garniert / Und die Wiener, die werden in Genf saniert."

Der zweite Teil ist ein Schüttelreim. Zwar geht ein r verloren, aber das macht nichts. Im Jahr 1922 hatten mit der "Genfer Anleihe" einzelne Völkerbundstaaten Garantien für österreichische Auslandskredite übernommen, um einen Kollaps
des Staatshaushalts und der Wirtschaft zu verhindern. Die Anleihe war mit scharfen Auflagen verbunden. Auch Österreich war einmal in einer ähnlichen Lage wie Griechenland.

Am Beginn des Buches von "A Jud und keck a no" steht ein Gespräch zwischen "Arik" und "Professor Brauer". Arik möchte wissen, ob der Herr Professor unter Antisemitismus leide. Seine Antwort: "In Österreich leiden unter Antisemitismus besonders die Antisemiten. Denn es gibt ja zu wenig Juden, um ein Feindbild abzugeben." Und auf die Frage "Hassen Sie die Araber?", meinte der Professor: "Wie könnte ich, da es doch unsere nächsten Verwandten sind, nach der Bibel unsere Cousins. Es hätte ja leicht sein können, dass ich als Araber das Licht der Welt erblickt hätte."

Zum Abschluss noch ein ungereimter jüdischer Witz aus Arik Brauers Buch. Der Witz ist alt, aber gut - und gut erzählt: "Ein Hotel am See, zwei Gäste. ,Frau Fischer, wollen wir nicht zusammen fischen gehen?‘ - ,Aber sehr gerne! Nur ich heiße nicht Fischer, sondern Vogler.‘ - ,Ich weiß, aber ich wollte nicht so direkt sein.‘"

Robert Sedlaczek ist
Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.