Apple hat iTunes über Bord geworfen. Endlich! Das war, zumindest meinem Geschmack nach, die zentrale Botschaft der dieswöchigen Verkündigung des Evangeliums nach Jobs. Respektive der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC, wo in einer alljährlich glamourös inszenierten Personality-Show die neuesten Ideen und Produkte des weltgrößten Digital-Lifestyle-Konzerns präsentiert werden. IT-Spezis jubelten über den neuen Mac Pro, einen Supercomputer im Käseraspel-Design, der auch preislich in neue Dimensionen vorstößt. Allein der Standfuß des passenden Monitors kostet knapp tausend Dollar. Für Amateure wie mich waren andere Entwicklungen eindeutig interessanter. Ewa der Umstand, dass iPads - also Tablets mit dem Apfel-Logo - in Hinkunft ein eigenes Betriebssystem bekommen. Und eben die Ablösung der altgedienten Musik-Software iTunes durch spezialisierte Applikationen für Audio, Video und Podcasts.

Warum mich das so froh macht? Weil iTunes ein Schmarrn war. Unwürdig eines Konzerns, der sich historische Verdienste um die elegante Verzahnung von Musik, Internet und Computertechnik erworben hat. Es gibt sogar Leute, die meinen, mit dem iPod, also dem legendären Mobil-Abspielgerät für den Alltagsgebrauch, hätte Steve Jobs einst die Musikindustrie gerettet. Auch das ist Geschichte. Heute ist Streaming das Mittel der Wahl, die adäquate Player-Funktionalität steckt in jedem Smartphone. Dass dennoch iTunes als zentrale Schnittstelle im Apple-Reich so lange überleben konnte, ist einem Flickwerk unzähliger Updates, Häutungen und Verschlimmbesserungen geschuldet - und der Sturheit der Chefetage. Letztlich konnte man aber auch nicht ewig den Beschwerdechor der User ignorieren.

Was nun nach iTunes kommt, habe ich noch nicht ausprobiert. Es gilt die alte Grundregel: erst dann umsteigen, wenn allgemein Entwarnung gegeben wurde. Wer will schon Beta-Tester spielen? Zumal meine Erwartungen an eine dezidierte Musik-Software hoch sind. Und zwar so hoch, dass ich - den sommerlichen Temperaturen zum Trotz - einen Brief ans Christkind formulieren möchte. Bitte, Tim Cook & Co., werft doch einen Blick auf Roon. Und notiert euch diesen Namen. Roon, mit zwei O! Was das ist? Die ausgefeilteste Anwendung, die derzeit weit und breit für Connaisseure der Pop-, Rock-, Jazz- und Klassik-Welt für gutes Geld zu bekommen ist. Eine Kombination aus Hard- und Software, die die eigene Musiksammlung analysiert, katalogisiert und für den Besitzer wie ein Magazin aufbereitet. Selbstverständlich kann auf die gängigen Streamingdienste zugegriffen werden - von Spotify und Apple Music bis zu den High-End-Services Tidal und Qobuz. Das Schlagwort einer "unbegrenzten Jukebox", wie es von den Werbetrommlern der Services gern in den Mund genommen wird, lässt sich damit tatsächlich realisieren. Zumindest annähernd. Und Entdeckungslust ist damit auch für Besitzer exorbitant großer digitaler Sammlungen an Audio-Material zu triggern.

Allerdings ist Roon, trotz zehnjähriger Entwicklungszeit eines eigenen Teams (das einst vom HiFi-Spezialisten Meridian zusammengetrommelt wurde), immer noch ein Geheimtipp. Gewiss: Um einfach so Musik dudeln zu lassen, bedarf es des Aufwands nicht. Aber es gab immer schon Leute und Firmen, die mehr wollten.