Unsere Kinder hatten, als sie klein waren, wie die meisten Kinder heutzutage eher zu viele Sachen zum Spielen als zu wenig. Und wie es so ist, waren die meisten Spielsachen nur für eine recht überschaubare Zeitspanne beliebt.

Dann lagen sie herum. Ich räumte sie immer wieder auf und irgendwann räumte ich sie "weg". Die wenigsten Dinge warfen wir einfach in den Müll, denn die Kinder wollten sich, vor die Entscheidung gestellt, meist doch nicht sofort für immer davon trennen. Darüber war ich irgendwie auch froh, denn paradoxerweise dachte ich in diesen Momenten auch an das Geld, das wir für diese Dinge ausgegeben hatten.

Dieses "weg" ist ein zweigeteilter Ort, ganz nah, einmal im Dachboden und dann noch neben der Garage. Man könnte, sagten wir den Kindern, die Dinge also jederzeit wieder zurückholen. Allerdings ist das kaum je geschehen, denn dieses "weg" ist, obwohl so nah, zugleich so weit entfernt von uns, dass wir das Zeug getrost auch auf dem Mond lagern hätten können: Man geht immer wieder, nahezu täglich, an den gestapelten Schachteln vorbei, aber man nimmt sie längst nicht mehr wahr.

Falls ich einmal neugierig in einer der Schachteln Nachschau halte, stelle ich fest, dass darin Dinge sind, die wir nicht mehr brauchen und die ich eigentlich verschenken sollte. Doch die Zeit, die gebrauchte Spielsachen in Schachteln verbringen, tut ihnen nicht gut. Man entwöhnt sich ihres Anblicks und stellt fest, dass da eine Ecke abgebrochen ist, dort ein Kegel fehlt oder die bunten Farben etwas verblasst sind. Als ich die Sachen in die Schachteln packte, hatten sie für uns einen Wert. Andere fänden in meinen Schatzkisten möglicherweise nur Müll.

Wir haben vor einer Weile angebaut und so die ärgste Raumnot gelindert. Wir können die Schachteln also gern noch Jahre stehen lassen. Bloß wofür? Für unsere Enkel? Ich erröte fast bei dem Gedanken. Bis dahin rinnt hoffentlich noch viel Wasser den Inn hinunter. Und ich fürchte, die Farben auf den Spielen werden bis dahin so blass sein, dass man nicht einmal mehr lesen kann, was das für ein unterhaltsamstes Spiel des Jahres X gewesen war.

Als ich neulich ein Paar gute Schuhe von meinem Sohn an meine Tochter weitergeben wollte, war ich beinahe froh, dass sie ihr nicht passten. Denn die Schuhe waren an ihrer Lagerstelle auf dem Mond irgendwie geschrumpft oder wenigstens so verzogen, dass nun auch für mich sichtbar war, wie abgetreten die Sohlen schon waren. Warum ist mir das nicht aufgefallen, als ich die Schuhe weggepackt habe? Im Gebrauch liegt offenbar ein Wert, der sich verflüchtigt, wenn die Dinge ganz oder für eine Weile in den Ruhestand treten.

Man zögert, diese Beobachtung auf uns selbst zu übertragen.