Tja, wer hätte das gedacht, dass Österreich doch noch irgendwann eine Bundeskanzlerin kriegen könnte? Und auch wenn das jetzt ganz offensichtlich bloß eine rhetorische Frage gewesen ist, kann ich es mir einfach nicht verkneifen, sie zu beantworten: Die, die für das "Österreichische Wörterbuch" (ÖWB) verantwortlich zeichnen, die haben das gedacht. Auf Seite 136 der 43., aktualisierten Auflage von 2018, da steht’s zumindest: "Bundeskanzlerin." Sonst hat aber eigentlich eh niemand damit gerechnet.

Eine Spalte weiter prognostizieren sie uns sogar eine Bundespräsidentin. Okay, wahrscheinlich wollen sie nicht dauernd, wenn eine Frau wieder einmal als Erste ihres Geschlechts einen "Männerposten" übernimmt, eine neue Auflage drucken müssen. Ist sicher billiger, ihr den Job schon vorher zu geben. Bevor sie sich überhaupt beworben hat. (Klar. Und nachher wird sie als "Quotenfrau" beschimpft.) Immerhin enthält das ÖWB den offiziellen Wortschatz des Landes. Der war in meiner Schulzeit ja noch erschreckend gering. Das Wörterverzeichnis der 35., völlig neu bearbeiteten und erweiterten Auflage von 1979 hat 338 Seiten gehabt, hallo? (Zum Vergleich: Das aktuelle hat 850.) Könnte am armseligen Frauenanteil liegen. Keine Politikerin, Nobelpreisträgerin, Pilotin. Dafür Friseurin, Kellnerin und Kassierin. Politesse ebenfalls. Und Schaffnerin. Wau, auch Technikerin. Lehrerin, selbst Professorin. Allerdings nicht Dekanin. Und höchstens Ärztin, keine Chefärztin. Gar keine Chefin. Nur Chefs. Und Bundeskanzler. (Und die Grenzen meiner Sprache sind eben die Grenzen meiner Welt.)

Na ja, damals waren die Töchter in der Hymne vermutlich noch nicht einmal "mitgemeint" (bei den großen Söhnen). Und heute sind sie selber drinnen. Inzwischen traut auch das ÖWB den Frauen echt alles zu. Außer Päpstin halt. Aber ansonsten alles. Automechanikerin, Bauarbeiterin (sogar Vorarbeiterin), Fußballtrainerin, Philharmonikerin, Hofrätin, Serienmörderin. Und sie müssen mittlerweile nimmer ihre Ehemänner um Erlaubnis bitten, ob sie einen Beruf ausüben dürfen. (Neben Hausfrau und Mutter.) Wie noch in den 1970ern. (Serienmörderin ist ein Beruf?) Hm. Auf Diktatorin kann ich wohl nicht mehr umsatteln, oder? He, Millionärin könnte ich eventuell noch werden. Gut, mach ich. Solange ich deswegen nicht gleich einen Millionär heiraten muss. (Die Wahrscheinlichkeit, dass mich ein Millionär ehelicht, dürfte freilich viel größer sein, als dass ich im Lotto gewinne. Besonders, weil ich nie Lotto spiele.)

In der 44. Auflage fehlt dann hoffentlich dieser eine klassische Frauenjob: Frauenministerin. Träumen wird man ja noch dürfen. Dass eine Feministerin bald genauso überflüssig ist wie die Wählscheibe, die längst aus dem ÖWB rausgeflogen ist. Wählscheibe? Dieses runde Ding mit den Löchern für den Finger. Bevor das Tastentelefon gekommen ist. (Tastentelefon?) Nicht, dass ich unbedingt eine Frau arbeitslos machen will. Die hätte schlichtweg nix mehr zu tun. Weil die Frauen den Männern endlich völlig gleichgestellt wären. Und würde man die Frauenministerin trotzdem weitermachen lassen, müsste man in der 45. Auflage zwischen "Männermagazin" und "Männersache" ein neues Wort einfügen: "Männerminister." Und einen Männerminister braucht doch wirklich keiner.