Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Der Abschied von der Macht ist hart. Manche fallen in ein Loch, andere klammern sich an ein Vorzugsstimmenmandat, wieder andere lassen sich von fragwürdigen internationalen Konzernen auf Versorgungsposten hieven, was sie dort mit freundlichem Abnicken quittieren. Aber ist das eine Möglichkeit für einen Menschen wie HC "der glückliche Heinrich" Strache?

Nein. Dem ehemaligen Vizekanzler und YouTube-Star stehen nämlich ganz andere Möglichkeiten offen:

Wie wäre es zum Beispiel mit Erlebnispädagogik für kleine Nationalisten ab acht? Mit Strache durch den Schlamm robben, drei Bier bestellen, Paintball oder die neue Version von Räuber und Gendarm spielen (Grenzpolizist und Scheinasylant) ist ein rechter Spaß. Als Andenken gibt es Erinnerungsfotos mit dem Vizekanzler vor der Europakarte von 1937.

Apropos Jugend: Was hat Strache in seinen Jahren in der Opposition wirklich gelernt? Wie man Party macht. Jürgen Drews mag der "König von Mallorca" sein, aber für Strache wäre immer noch die Titel "Kaiser der Passage" frei. Oder "Senner von der Prateralm"? Oder "Narr von Ibiza"? Gut, den will er wahrscheinlich nicht. Egal, fest steht: In Zeiten der Rankings, Internetbewertungen und Facebook-Kampagnen wird sich das Label "Prooved bei H.C." mit Sicherheit als die Brenchmark im Feld der Discotester durchsetzen. Wenn nicht, kriegt er wenigstens ein Freigetränk.

Oder Strache kehrt den Family-Guy in sich nach außen. Hatte er gerade noch den Papamonat gefordert, zeigt er selbst, dass es noch ganz anders geht. Strache macht das Papajahrzehnt. Und zwar im FPÖ-TV. "Papa ante portas - Die Soap" macht aus dem Loriot-Klassiker das Reality-Entertainment-Format für die halbe Familie. Während Frau Strache stets nur zu hören ist, wie sie am Telefon Anweisungen erteilt, eilt Hatsche zur MA 10, um dort zwischen afghanischen Großfamilien einen Kindergartenplatz zu ergattern. Wir sehen ihn Windeln wechseln, Waschmaschinen befüllen, Brei kochen, und natürlich passiert dem liebevoll-gestressten Hatsche das eine oder andere lustige Hoppala. Köstlich etwa die Szene, wo er statt des Erkältungstees fast Wodka-Red-Bull in die Nuckelflasche gießt. Aber wir lernen ihn auch als einfühlsamen Menschen kennen, der den Nachwuchs mit schaurigen Gute-Nacht-Geschichten über die Verschwörung dunkler Mächte gegen ihn sanft in den Schlaf wiegt.

Oder Strache kann nicht anders, kehrt in die Politik zurück und übernimmt nach der Wahl . . . die SPÖ. Er, der geborene Rebell, zeigt den orientierungslosen Sozialdemokraten endlich, wie man erfolgreiche Oppositionsarbeit macht. Denn wer kann die unterprivilegierten Schichten besser ansprechen als ein arbeitsloser Zahntechniker? Natürlich muss das Wording da und dort etwas angepasst werden, und gerade für den geübten Wahlkämpfer HC könnte der Umstieg von "rechten Menschen" zu "Menschenrechten" schwierig werden. Doch dann hätte Österreich endlich eine Parteienlandschaft, in der den Wahlberechtigten nicht eine, nicht zwei, sondern gleich drei rechtspopulistische Parteien zur Auswahl stehen.

Und den gemeinnützigen Spendern versichert HC: Kontonummer folgt.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

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glossenhauer