Ich sitze am Hauptplatz in Retz im nördlichen Niederösterreich. Es ist - Hochsommer! - brandheiß. Ich habe mich in einen Eissalon geflüchtet, der zumindest meiner Psyche etwas Abkühlung verschafft. Dennoch stehen mir Schweißperlen auf der Stirn. Ich habe den Abgabetermin verschwitzt, weil mir durch den montäglichen Feiertag der ganze Kalender durcheinandergekommen ist. Gerade hat mich ein mahnender Anruf ereilt, ich habe noch etwa eine Viertelstunde, um diese Kolumne zu vollenden. Wohlan.

Mit dem uralten Kunstgriff, aus der Not eine Tugend zu machen und die missliche Lage selbst zum Thema zu machen, werde ich mich nicht aus der Situation retten. Denn: Es gibt hier weit und breit nichts - nicht einmal ein Funkloch -, das annähernd etwas mit moderner Technik zu tun hat. Von Eismaschinen verstehe ich nichts. Ich lasse meinen Blick schweifen: Der Hauptplatz ist vollgeparkt. Eine Elektrotankstelle erscheint inexistent. Gemächlich knattert ein Traktor vorbei. Ich überlege: Was beschäftigt mich eigentlich wirklich in diesen Tagen? Bezeichnenderweise ist es nicht die österreichische Innenpolitik. Sie erscheint mir - wiewohl Kommentatoren vereinzelt den Staatsnotstand ausgerufen haben - fern, in Ritualen erstarrt, unwirklich. Die Sorgen, die diesen Planeten plagen, sind andere. Die Hitze, ja. Das Wetter. Der Hagel in Bayern. Die zunehmende Trockenheit in dieser Gegend. Aber ich kann bei bestem Willen keinen flammenden Rundumschlag zum Klimawandel schreiben: Dafür ist hier nicht der richtige Ort. Und ich kenne mich nicht aus. Ich könnte nur nachplappern, was andere verkünden, ja: mittlerweile geradezu beschwören. Das zuzugeben, fällt mir schwer. Ich weiß nicht, ob ich Greta Thunberg - Symbol aller Klimaaktivisten weltweit - sympathisch finde oder nicht. Bemerkenswert erscheint mir ihre Wirkungsmacht allemal. Das war es, was mir auf dem Weg nach Retz im Auto durch den Kopf gegangen ist: ein Bildwitz, wo ein Mann zu einem Kind sagt: "Greta nervt!". Und das Kind antwortet: "Genau das ist ihr Plan, Opa!"

Was wir erleben, ist ein Generationenkonflikt, wie er noch nie da war. Der Katalysator ist der Fortschritt, der sich immer öfter als Rückschritt erweist. Oder, weil das ein zu harmloses Bild zeichnet: als ein Schritt näher an den Abgrund. Ernstzunehmende Studien geben der menschlichen Spezies nur mehr wenige Jahrzehnte, um die Katastrophe abzuwenden. Was hilft? Mehr Technik, exponentiell explodierende künstliche Intelligenz, die Unterordnung unter das Regime der maschinell regierenden Vernunft? Oder das exakte Gegenteil - eine radikale Rückbesinnung auf die Natur? Und die Erkenntnis der Unmöglichkeit ihrer Bezwingung durch die partielle Fehlkonstruktion Mensch?

Zeichen der Zeit: Dass von der Generation YouTube Botschaften an die politischen Machthaber abgesendet werden und in den Echokammern des Internets dröhnen. Dass unter dem Banner der Demokratie und Freiheit Überwachungskameras und Zensurschrauben installiert werden. Dass Greta Thunberg nervt und nervt - und sich die Gemüter nicht abkühlen wollen. Nicht abkühlen können. Man kann auch hier im Eissalon am Hauptplatz in Retz die Realität nicht abschalten.