Ein Spaziergang durch das nächtliche Rom konnte in antiker Zeit lebensgefährlich sein. Und das nicht nur wegen der Banditen, die den ehrbaren Bürger um seine Habseligkeiten bringen wollten, sondern auch aufgrund der weitverbreiteten Sitte, seinen Unrat im Schutze der Dunkelheit durch das Fenster auf die Gassen zu werfen. Will man dem Satiriker Juvenal Glauben schenken, dann kam es dabei sogar zu Todesfällen.

Doch auch wenn es nicht ganz so drastisch zuging, stank das Leben in der Metropole im wahrsten Wortsinn zum Himmel. Schließlich gab es eine organisierte Müllentsorgung, wie wir sie heute als selbstverständlich erachten, damals noch nicht. Was nicht heißen soll, dass man das Problem nicht erkannt hätte: Es gab eigene Beamte, die dafür zu sorgen hatten, dass jeder Hausbesitzer den Straßenabschnitt vor seinem Eigentum sauber hielt. Selbst der behördlich organisierte Abtransport von Abfall ist bezeugt, jedoch ist unklar, worum es sich bei dem entsorgten Gut wirklich handelte.

Meist wanderten der Abfall und die Fäkalien einfach ins städtische Abwassersystem und von dort in den Tiber. Im Fall von Überschwemmungen kam es daher dazu, dass der übel riechende Matsch sich wieder auf die Straßen und Gassen Roms ergoss. Doch schon das übliche Entsorgen der Abfälle in den Fluss beeinträchtigte die Qualität des Grundwassers, da die "Cloaca maxima" in Rom über keinerlei Klärvorrichtungen verfügte. Der Fluss selbst war so stark verschmutzt, dass römische Schriftsteller ihren Zeitgenossen vom Verspeisen der Tiberfische abrieten. Fische aus solchem Gewässer, sagte der Arzt Galen im 2. Jahrhundert n. Chr., stinken und schmecken schlecht. Trotzdem galten bestimmte Barsche aus dem Tiber als Delikatesse. Und auch religiös motivierte Trink- und Badekuren im Fluss sind nachgewiesen. Das gesundheitliche Risiko war beträchtlich: Erreger von Cholera, Typhus, Ruhr, Hepatitis oder Kinderlähmung hatten dadurch ein leichtes Spiel.

Müllhalden sind ebenfalls keine Erfindung der Moderne. Die wohl berühmteste derartige Anhäufung im alten Rom ist der Monte Testaccio. Schon sein Name verrät, wo-rum es sich dabei handelt, nämlich um einen Berg (monte) aus Scherben (testa). Der künstliche Hügel bedeckt heute noch eine Fläche von rund 22.000 m2 und erreicht eine Höhe von 50 Metern.

Er besteht praktisch nur aus Amphorenscherben. Hier wurden die mit Schiffen angelieferten und mit Olivenöl oder scharfer Fischsauce gefüllten Transportbehälter geleert, und der Inhalt wurde für den Verkauf in kleinere Gefäße umgefüllt. Die Einwegamphoren wurden zerschlagen und türmten sich im Verlauf der Jahrhunderte zu diesem imposanten Hügel auf.