Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Donald Trump meint, der Mond sei ein Teil des Mars und Charles der Prinz der Wale. Der klimapolitische Sprecher der AfD mit dem schönen Namen Rainer Kraft (noch schöner wäre nur eine Sprecherin mit dem Namen Blanca Wahnsinn) leugnet das Schulbuchwissen über den Treibhauseffekt. Und Ex-Vizekanzler HC Strache hat zwar "einen Fehler gemacht", aber letztlich war es nur eine "b’soffene G’schicht". Und das alles . . . kommt gut an.

Warum auch nicht, viele Wähler der drei Personen sind ja möglicherweise selbst auch so: halbgebildet, in der Schule nicht aufgepasst, laut, unberechtigt selbstbewusst, und gerne besoffen. Und meistens: Männer. Also "klasse Burschen", wie das hierzulande heißt. Und diese Männer wollen einen von sich "da oben" sehen. Zumindest keinen, der schlauer ist als sie. Deshalb wählen die Amerikaner einen Präsidenten, der gerne in einem großen Bagger sitzt, aber wahrscheinlich den Unterschied zwischen Madagaskar und Mutherfucker nicht kennt.

Und auch der AfD-Mann weiß natürlich, dass sein Publikum gern einmal auf Mallorca Sangria aus Kübeln säuft, "Da hat das rote Pferd sich einfach umgedreht" auswendig kannt, aber leider nicht weiß, wer Georges Moustaki oder Edith Piaf ist. Dafür will man aber die abendländische Kultur verteidigen. Und was soll so schlimm sein an Straches "b’soffener G’schicht"? Das bisserl Allgemeingut verscherbeln wollen? Ein wengerl träumen vom Medien knebeln? Geh bitte, das macht doch bei uns ein jeder Vereinskassier, der im Fußballklub in die Kasse greift und dem örtlichen Journalisten a Packerl Hausdetschen androht, wenn er nochmal schlecht über den Trainer (zufällig einer seiner Haberer) schreibt. Mei, so samma.

Schau ma uns doch die österreichische Historie an! Was war denn das anderes als eine einzige "b’soffene" Geschichte? Die Gegenreformation? A Rausch. Ja, mei, a bisserl die Intelligenz vertrieben und Bauern um ihren Hof und die Lebensgrundlage gebracht. Aber dem örtlichen Bischof hat’s g’fallen. Und dem Bistum haben eben die größten Brauereien und Weinberge gehört.

Der Metternich’sche Überwachung-
staat? Bitte, der heißt bei uns immer noch gemütlich "Biedermeier", und da war auch keiner nüchtern. Sieht man doch in den Heimatfilmen.

Austrofaschismus, Nazi-Diktatur und Holocaust? Ja, sicher unschön, aber so richtig klar im Schädel war da auch keiner. Schon bei der katholischen Messe wird ja Wein ausgeschenkt, die Nazis haben auch ordentlich Bier weggeschüttet (sonst hätte ja keiner dieses pathetische Geplärr vom oberösterreichischen Postkartenmaler ausgehalten), und die unschuldige Wehrmacht war auch auf "Panzerschokolade", wie damals Chrystal Meth hieß. Schon der Herr Karl hat gesagt: Der Heldenplatz 1938? A großer Heuriger.

Das Einzige, was diese maskulinen Halbwahrheitsbesitzendenfolger wirklich fürchten, ist, dass irgendwann ihre benachbarten Putzfrauen, Supermarktkassiererinnen und Backmischungsbäckereifachverkäuferinnen sich erheben und eine von den Ihren auf den Schild heben. Dann wird womöglich eine rechtsradikalfeministische Kindergärtnerin Kanzlerin, die Aurafotografie macht und alle zwingt, das Klo selbst zu putzen. Jetzt brauch i a Bier.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

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glossenhauer