Scheitern, so der US-Soziologe Richard Sennett, sei das letzte Tabu der Gegenwart. Warum eigentlich? In einer Welt, in der Ansehen fast ausschließlich nur mehr auf wirtschaftlichem Erfolg beruht, wird jeder Misserfolg, jeder Fehltritt leicht zu einem persönlichen Armageddon.

Ein peinlicher Auftritt in einem wichtigen Meeting, eine verpasste Deadline, eine Bemerkung, die man besser nicht laut getätigt hätte – auch wenn man denken mag, die Welt müsse ob dieses Desasters auf der Stelle stehen bleiben, dreht sie sich ungerührt weiter. Fehler sind selten so groß, wie es einem im Moment vorkommt. Freilich wieg nicht jeder Fehler gleich schwer.

Der Spruch, man möge aus Fehlern lernen, wird zwar gern zitiert, doch wie gelangt man dahin? Überkritisch mit sich umzugehen, ist für einen gewinnbringenden Umgang mit Schwächen genauso fatal wie jegliches Ausblenden von Selbstkritik. Eine besondere Schieflage im Umgang mit Fehlentscheidungen bezeichnet die Psychologie als Too-much-invested-to-quit-Syndrom . Damit ist jene Tendenz gemeint, einen einmal eingeschlagenen Weg stur weiterzuverfolgen, auch wenn alles dagegen spricht. Studien haben ergeben, dass die meisten Menschen dazu neigen, noch mehr in ein Projekt, eine Beziehung, einen Job zu investieren, als sich einzugestehen, mit der Entscheidung einen Fehlgriff begangen zu haben.

Dann schon lieber Becketts Leitspruch folgen: "Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern."