Dihydrogenmonoxid - hört sich echt gefährlich an. Und tatsächlich kann man sterben, wenn man es einatmet (nämlich ertrinken), aber für gewöhnlich schluckt man es ja. Wenn man jedoch zu wenig davon zu sich nimmt, zittert man irgendwann so unkontrolliert wie die Angela Merkel unlängst auf dem roten Teppich während der deutschen Hymne. Und nicht jeder hat den Luxus, nachher gleich drei Gläser Dihydrogenmonoxid in sich reinkippen zu können, um die Entzugserscheinungen einfach wegzutrinken. (Also H2O. Wasser.)

Donnerstag, 13. Juni. Kurz vor 22.30 Uhr: aufgeregtes Pumpern an der Tür. Die Nachbarin. Von unten. Als die auf meine Fußmatte getrieft hat, war mir jedenfalls eines klar: Ach, deshalb war das Wasser aus der Badewanne vorhin so super abgeronnen. Und dann war’s genau wie in dieser Geschichte, die ich einmal als Deutsch-Hausaufgabe geschrieben hatte (oder fast genauso), wobei ich das Thema damals eventuell ein bissl verfehlt hatte. Na und? Der Kolumbus wollte ja ebenfalls eigentlich nach Indien. Und dem sackt in meiner Erzählung eben plötzlich der Meeresspiegel unterm Kiel ab und die Santa Maria läuft auf Grund. (Die Nina natürlich auch. Und die Pinta.) Zu Fuß sucht der Seefahrer mit seinen Leuten daraufhin das Meer, stolpert über ein gestrandetes Tiefseemonster, und in seichten Lackerln zappeln die fantastischsten Kreaturen. Schließlich finden die Männer einen riesigen Abfluss und daneben einen enorm großen Gummistöpsel. (Ach, deshalb ist der Atlantik so super abgeronnen.) Sie stopfen das Loch im Meeresboden wieder zu, bei der nächsten Flut kehrt der Ozean zurück und Kolumbus kann Amerika entdecken. Ende.

Was, bitte, war das Thema? Na ja, ein Tag ohne Wasser. Und beim Anblick der nassen Haare der Nachbarin, der beim Duschen quasi obendrein der Atlantik auf den Kopf getropft war, haben meine Schwester und ich halt bei uns den Haupthahn abgedreht (in Panik) und sind auf dem Trockenen gesessen. Wie der Kolumbus. Wir hatten nur noch Teebeutel (he, wie lang lässt man die im Mund überhaupt ziehen?) und zum Duschen ein 48-Stunden-Deo. (Und zwei Schwestern mussten nach dieser Nacht noch halbwegs friedlich zusammenleben können, obwohl die Klospülung grad noch ein einziges Mal betätigt werden konnte.) Dafür besaßen wir etwas, was der Kolumbus in der Geschichte nicht hatte: die Service-Nummer von Wiener Wohnen. Der Mitarbeiter am Telefon hatte eine gute und eine schlechte Nachricht für uns. Zuerst die gute: Der Notfall-Installateur wäre in spätestens drei Stunden bei uns. Die schlechte folgte drei Stunden später: Anscheinend hatte bloß einer Dienst. Wir könnten also ruhig schlafen gehen, der würde sowieso vorher anrufen. (Ohne Zähneputzen? Nein, wirklich nicht.)

Nach fünfeinhalb Stunden bei 30 Grad ohne Wasser, als ich vor lauter Durst schon drauf und dran war, in einen Becher zu pinkeln, ist der Installateur endlich gekommen. Mit einer schlechten Nachricht. Aber gleich zwei guten. Der Siphon wäre kaputt. (Das war die schlechte.) Den könne er jetzt allerdings sofort austauschen. Die beste Nachricht war freilich die zweite gute: Wir hätten das Wasser nie abdrehen müssen. Heute würde ich das Thema "Ein Tag ohne Wasser" nimmer verfehlen. Inzwischen weiß ich ja, wie’s gemeint war.