Der gute Doktor aus der Schweiz kennt kein Pardon, wenn wer vor seinem Porsche fährt. Kommt auf den Autobahnen leider immer vor. Wurden halt nicht nur für den Porsche vom Herrn Doktor gebaut. Obwohl der selbst das manchmal schon so sieht. Eben hat sich schon wieder wer mitten in die freie Fahrt gezwängt. Gleich hinter Zürich ist ihm das passiert. Ich bin nicht dort und trotzdem voll dabei. Der gute Doktor aus der Schweiz brüllt in sein Headset, als ob es um die Verteidigung der Südgrenze ginge. Nebenbei telefoniert er mit mir. Der gute Doktor hat einen beeindruckenden Vorrat an Schimpfwörtern parat. Der Fahrer im Auto davor scheint das nicht zu hören. Ich dafür schon. Ich schreie ja nicht Dich an! Ich schreie das Arschloch an! Irgendwann beruhigt sich die Situation. Anscheinend hat der Andere aufgegeben. Arschloch, sagt der Doktor.

Können nicht Auto fahren und sitzen trotzdem im Auto, sagt der Doktor. Was die auf der Straße suchen, fragt er sich. Nämlich wirklich. Ein paar Tage davor habe ich gesehen wie ein älterer Herr im fetten SUV vollkant am Zebrastreifen im Ersten Wiener Gemeindebezirk über den Tretroller einer eleganten Dame fährt. Ganz ehrlich, ich mag die Dinger auch nicht leiden, aber das war doch zu viel.

Die Dame konnte gerade noch zur Seite springen. Quasi akrobatisch hat sie das gemacht. Ansonsten wäre wohl der Fuß dran gewesen statt dem Roller. Die Dame war sehr fesch und ich natürlich sofort Augenzeuge. Hat aber nichts gebracht. Weil sich trotz all der vielen Augenzeugen der feschen Dame keiner die Nummer vom rabiaten Autofahrer merken konnte. Schade. Wir waren auf Kreuzzug aus. Ich hätte noch einmal spucken sollen, sagt der bärtige Radfahrer. Er war auch am Zebrastreifen und anscheinend hat er den Autofahrer angespuckt, als er sich sonst gar nicht mehr zu helfen wusste. So geht es zu im Wiener Innenstadtverkehr. Kann natürlich auch an der Hitze liegen.