Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Sebastian Kurz hat es nicht einfach. Da macht er einen kleinen, privaten Spaziergang durch den 15. Bezirk, stolpert zufällig in die Wiener Stadthalle - und schon findet er sich umringt von tausenden Freikirchlern wieder. Dass ihn auch noch der Chef-Erleuchter und frühere Drogendealer, der Europa "vom Islam befreien" will, vor jubelnden Massen der Gegenaufklärung und laufenden Kameras segnet, war für ihn - wie er eingeräumt hat - doch komisch. Ob das Publikum oder die Kameras komischer waren, weiß er allein.

Der Komik nicht genug, passiert das just zu einer Zeit, in der der eilige Sebastian von Meidling zufällig, aus freien Stücken und aufs Geratewohl durch Österreich fährt. Polizei und Feuerwehr werden besucht, der eine oder andere Bauernmarkt, vielleicht auch ein Schützenverein, aber alles nach Lust und Laune. Da kann es schon einmal passieren, dass man in einen Haufen Fanatiker gerät. Wer kennt das nicht? Man schlendert so über den Graben und - schwupps - steht man in der Peterskirche und betet für die Heiligsprechung von Ex-Kaiser Karl I. Und was einem Ex-Kaiser passieren kann, geschieht einem Ex-Kanzler natürlich umso leichter.

Insofern wäre es nicht verwunderlich, wenn es noch zu anderen transzendenten Ereignissen käme. Möglich, dass die Witwe Marie-Therese Z. aus Mödling einer österreichischen Gehsteig-Zeitung die unglaubliche Geschichte erzählt, dass ihr Kanarienvogel "Burli" nach dem Anblick des Porträts des BABAZ (Bescheidensten Alt-Bundeskanzlers aller Zeiten) plötzlich die Worte "Neue Volkspartei" und "Transparenz" fehlerfrei aussprechen kann. Nur halt nicht gleichzeitig.

Und weil nicht nur der Teufel gern auf den größten Haufen macht, sondern auch der Heilige Geist, blieben solcherlei Wunder übernatürlich nicht lange allein. In der Freiluftverschlechterungsanstalt Kitzbühel könnte mehreren spendenwilligen, aber steuermeidenden Personen ein Obdachloser erscheinen, nachdem sie den Namen des Ex-Kanzlers bei einem stillen Gebet in ihrem Porsche gen Himmel (elektrisch verschließbares Sonnendach) gesprochen haben. Und schlagartig macht sich in ihnen Erleuchtung breit, wer die notleidendste Partei im Lande ist.

Und wer mag ausschließen, dass in der - für ihre Buchhaltung berühmten - Diözese Gurk nach einer spontanen Messe mit Fürbitten für den kürzesten Kanzler der Zweiten Republik plötzlich in der Sakristei ein Geldkoffer auftaucht? Das kann doch nur ein himmlisches Zeichen sein!

Möglicherweise hat ja auch ein Engel dem Porr-Großaktionär befohlen, seine 438.000 Euro auf neun Einzelspenden aufzuteilen, sodass sie - göttliche Fügung - knapp unter der zu meldenden Mindestgrenze für Spenden zu liegen kamen. Wer braucht den Rechnungshof, wenn doch der Herr alles weiß? Gemeint ist der Herr im Himmel, nicht der Herr Sebastian.

Und sollte im Laufe des Sommers der Klingelbeutel aus Mariazell oder dem Dorotheum oder von KTM aus ungeklärten Gründen in der Lichtenfelsgasse auftauchen, kann das nur ein Wunder sein. Was sonst? Illegal kann es nicht sein und Finanzierung auch nicht. Und Wahlkampf . . . schon einmal überhaupt nicht.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

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glossenhauer