In einer der vielen Facebook-Gruppen, die sich mit HiFi - also der Technik guten Hörens - beschäftigen, kam es neulich zu einem Eklat. Wieder einmal. Denn Hobbyisten neigen zur Hitzigkeit, wenn es um die Frage des Wahren, Schönen, Guten geht. Sind billige Geräte grundsätzlich Schrott? Klingt Streaming mittlerweile erwachsen? Dürfen Kabel auch mal vierstellige Summen kosten? Und was genau trennt schlichten Alltags-Hörkonsum von High Fidelity und erst recht von High End?

Es ist dem Seelenheil zuträglich, sich nicht auf solche Diskussionen einzulassen. Oder, nein: manchmal doch. Die Eintrittskarte in den Verein der Pächter der letztgültigen Wahrheit - die einem rasch wieder entzogen wird, wenn man sich nicht vereinskonform verhält - kann man ja auch spielerisch als Wild Card einsetzen, gemäß dem Diktum von Groucho Marx: "Ich mag keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnimmt."

Frischfröhlich postete ich also unter eine Kollektion von Aufnahmen besonders aufwendig gebauter und erkennbar teurer Plattenspieler, dass man hier wohl die hässlichsten Turntable-Monster der Welt versammelt habe. Oho! Ich meine das wirklich so: Man trifft diese Protz-Prothesen auf jeder einschlägigen HiFi-Messe. Chromblitzende Materialschlachten aus Metall, Holz, Plexiglas und Granit, die an medizinische Gerätschaften für die Intensivstation erinnern. Man kann freilich, Physik!, auf die ruhende Masse verweisen und damit garantierten Wohlklang antizipieren - aber selten stehen bei solchen Ungetümen Aufwand und Ergebnis in einem vernünftigen Verhältnis. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall: Das Trumm klingt - proportional adäquat seines Hässlichkeitsfaktors - unrund. Der Besitzer ist es dann meist auch.

Was dagegensetzen? Die alte Erkenntnis, dass das Auge mithört. Die Renaissance der Lo- End-Plattenspieler, bei denen einfach ein Tonarm an ein Brett geschraubt wird, hat auch mit ihrer optischen Eleganz zu tun. Ich habe gerade einen günstigen Dreher von Elac angesteckt, den Miracord 500 - und bin sehr angetan von seiner Erscheinung, die den dreifachen Preis vermuten lässt. Wenn man noch ein paar Euro drauflegt und in einen guten Tonabnehmer investiert, spielt das Plug’n’Play-Gerät herrlich unkompliziert und tonal angenehm auf. Viel mehr braucht ein Vinyl-Connaisseur, der nicht ewig herumschrauben möchte, nicht. Zumal man den eingebauten Phonovorverstärker ausschalten - und auch einmal ein High-End-Äquivalent (wie den Lindemann Limetree Phono; mehr dazu demnächst) probieren kann. Aufrüsten macht so richtig Spaß.

Was aber ist der schönste aller Plattenspieler? Ich habe mich spontan entschieden: der Clearaudio Concept, den es in verschiedenen Varianten gibt. Als Gesamtpaket. Ich teste diesen Bauhaus-Design-Turntable made in Germany gerade in einer Aktiv-Variante mit MC-Tonabnehmer - und natürlich geht das dann auch schon richtig ins Geld. Am Klang gibt’s hier definitiv nichts zu meckern. Aber allein das matte Funkeln des Aluminiums rund um das Gerät und die schlichte Eleganz des Tonarms mit Magnetaufhängung macht schon Freude, bevor noch eine Platte auf den Teller wandert.

Sie halten das für eine leicht wunderliche Liebeserklärung? Ist es auch. Weiterstreiten sinnlos.