Andreas Wirthensohn, geboren 1967, lebt als freier Lektor, Übersetzer und Literaturkritiker in München.
Andreas Wirthensohn, geboren 1967, lebt als freier Lektor, Übersetzer und Literaturkritiker in München.

Ach ja, Paris! Die Stadt der Liebe ist natürlich immer eine Reise wert, selbst wenn amour keiner Auffrischung bedarf: ein Ausflug auf den Eiffelturm, eine Bootsfahrt auf der Seine, Flanieren auf den Champs-Élysées, ein paar Mal mit dem Auto im Kreisverkehr um den Triumphbogen (nichts für schwache Nerven). Und dann natürlich schlemmen, shoppen und schauen!

Ich war ewig nicht mehr in Paris, aber irgendwie stand meine Rückkehr nach über 20 Jahren unter keinem guten Stern. Dass kurz zuvor ausgerechnet Notre-Dame abbrannte, wäre nun wirklich nicht nötig gewesen, denn Paris ohne die Kathedrale ist noch trister als Wien ohne Steffl, weil Notre-Dame natürlich weit schöner und weit bedeutsamer ist als der bescheidene Stephansdom. Trotzdem war Paris wie all die Weltstädte dieser Welt voller Menschen: demonstrierende Gelbwesten, einkaufswütige Franzosen, sehenswürdigkeitensüchtige Touristen.

Vor den Museen lange Schlangen, am Seineufer dichtes Treiben, in den Cafés alle Plätze besetzt. Ich versuchte, gelassen zu bleiben zwischen all den Fahrrädern, E-Scootern und motorisierten Gefährten, die fortwährend mein Leben bedrohten, und suchte mein Heil bzw. Entspannung beim Sport. Doch auch hier meinte es der Gott der Reisenden nicht gut mit mir: Alle Versuche, noch ein Ticket für das Eröffnungsspiel der Frauenfußball-WM zu ergattern, erwiesen sich als vergeblich.

Frankreich gegen Südkorea, das klang zwar nicht unbedingt nach einem fußballästhetischen Leckerbissen, aber die Franzosen waren offenbar fest gewillt, ihre Équipe de France féminine in einem randvollen Stadion zum Sieg zu treiben. "Allez, Les Bleues!" (der Kenner beachte den weiblichen Plural -es!) musste also ohne meine Stimmgewalt auskommen. Mehr Glück schien mir beim Tennis beschieden zu sein: Ich war im Besitz zweier Karten fürs legendäre Roland Garros - zwar nur für die Außenplätze, wo uns so aufregende Matches wie das Junioreneinzel, das Mixed-Halbfinale oder der Wettbewerb im Rollstuhltennis erwarteten, aber immerhin.

Leider hatte dann aber der Gott des Wetters etwas dagegen und bescherte den French Open an diesem Tag einen Regentag - ohne einen einzigen Ballwechsel. Und so landete ich ein wenig unfreiwillig bei den wahren Helden des Pariser Sportlebens: Am Canal Saint-Martin sah ich den älteren Herren, stilecht mit Zigarette im Mundwinkel, beim Boule zu. Und im verregneten Jardin du Luxembourg leistete ich den Schachspielern Gesellschaft, die sich hier in wilden Blitzpartien bis zur Erschöpfung verausgabten. 2024 finden in Paris übrigens Olympische Spiele statt. Vielleicht versuche ich dann noch einmal mein sportliches Glück.