Ich gehe jetzt wieder öfter in Geschäfte. Also in solche, die draußen in der realen Welt herumstehen. Weil die haben etwas, was mir der Online-Handel nicht bieten kann. Persönliche Beratung? Falsch. Eine gratis Klimaanlage! Daheim hab ich nämlich bloß einen Fächer. Und den Kühlschrank. Letzterer ist allerdings in Wahrheit ein Heizgerät und heizt meine Wohnung sogar noch mehr auf, als es die Erderwärmung sowieso schon tut. Kühlen tut der nur innen drin.

Hab ich eigentlich keine Angst, dass ich infolge des Klimawandels kaufsüchtig werden könnte? Nein, warum denn? Durch den nehm ich doch lediglich immer mehr zu, und deshalb muss ich mir eben ständig was Neues zum Anziehen kaufen. Aus keinem anderen Grund. Moment: Der Klimawandel macht einen blad? Klar. Der führt zu einem Bewegungsmangel. Schließlich soll man sich bei großer Hitze ja nicht anstrengen. Sich am besten gleich überhaupt nicht bewegen. Sonst riskiert man einen Kreislaufkollaps. Und lieber fett als hitzetot. (Sterben Übergewichtige nicht dafür an Herzinfarkten?) Es kann sich halt nicht jeder leisten, Indoor-Joggen zu gehen. Ins klimatisierte Fitnessstudio, wo sie so eine Laufstrecke haben, die einem unter den Füßen weggezogen wird.

In Zukunft wird es jedenfalls noch mehr E-Scooter geben. Auf den Radwegen wird es sich total stauen. Auf den Radwegen? He, die Passiv-Tretroller sind inzwischen den Fahrrädern gleichgestellt! Nicht, dass die Rollerfahrer nicht eh bereits vorher auf dem Trottoir Jagd auf die letzten Fußgänger gemacht hätten. Zur Verkehrsberuhigung erwägt die Stadt Wien aber ohnedies längst Bodenschwellen auf den Gehsteigen. Ach, und wer, bitte, soll die montieren? Die Bauarbeiter haben ab 32,5 Grad Celsius hitzefrei, hallo?

Stiegensteigen, Bügeln, Staubsaugen, Kochen - das alles versuche ich gerade zu vermeiden. Alles, was mich unnötig ins Schwitzen bringt. Ich benutze also jede Rolltreppe (noch kann ich das ja kostenlos, und auch der Lift funktioniert noch ohne App - noch), und zu Hause knotze ich einfach nur auf der Couch herum. Zum Glück gibt’s die Fernbedienung. Für den Fernseher. Und vor allem: das Handy. Kann ich mir wenigstens eine Pizza bestellen. Und wenn der Pizzabote ebenfalls hitzefrei kriegt? Okay, ich glaub, ich hab noch irgendwo ein Chipspackerl rumliegen.

Tja, früher haben wir Schönwetter dazu gesagt, wenn die Sonne geschienen hat. Mittlerweile ist das Wetter freilich schon so extrem schön, dass es bereits schlecht ist. Besonders für Menschen, die im Freien arbeiten müssen. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung? Hm. Welche Kleidung ist denn die richtige, wenn man sogar nackt zu dick angezogen ist?

Unsere Welt könnte bald komplett anders aussehen. Im Sommer zumindest. Wenn die Outdoor-Hackler irgendwann alle hitzefrei bekommen. (Die Müllmänner, die Briefträger, die Gärtner, die Fremdenführer, die Bademeister . . .) Vermüllte Straßen, leere Postkastln, überall Hitzezombies, die sich durch blumenleere Asphaltwüsten schleppen, ziellos umherirrende Touristen, Bäder voller Wasserleichen. Und natürlich mehr Kriminalität. Weil die Polizisten den Verbrechern ja nimmer nachlaufen dürften. Denen sollte dann vielleicht einmal einer sagen: Es gibt keine Hitzewelle, nur zu viel Kleidung.