Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Sommerzeit ist Reisezeit. Also rasch die Sachen gepackt und hinaus. Gesetzt den Fall, man überlebt die Temperaturen da draußen. Denn das Gefühl, wenn man aus dem Haus tritt, weckt ja eher den Wunsch, sich in eine mit Eiswürfeln gefüllte Badewanne zu legen, als in die Welt hinaus zu ziehen. Und wenn, dann am liebsten in die nördlichste Arktis. Aber wie kommt man dahin? Eigentlich nur mit dem Flugzeug, und das ist wiederum schlecht fürs Klima. Dann wird es noch heißer.

Wenn man schon verreist (und leider nicht vereist), dann klimaneutral. Also: kein Auto, kein Flugzeug, kein Helikopter, keine Kreuzfahrt. Aber wer will jetzt schon unbedingt in den Nahen Osten in einen Glaubenskrieg ziehen? Dann lieber friedlich mit dem Fahrrad. Das schränkt natürlich den Radius etwas ein. Thailand etwa ist zwar theoretisch möglich, praktisch aber anstrengend (man denke nur an den Himalaya, über den man irgendwann doch drüber muss) und arbeitstechnisch sehr unwahrscheinlich. Denn für die 10.573 Kilometer von Wien bis Bangkok braucht man bei einem geschätzten Durchschnittstempo von 30 km/h (was auf dem Rad schon recht sportlich ist) 14,5 Tage (wenn man rund um die Uhr radelt). Und dann muss man ja wieder zurück. Das war’s dann mit dem Jahresurlaub. Und viel kälter wird’s dort auch nicht.

Bleibt noch die Bahn. Allerdings ist es halt auch nicht die allerschönste Vorstellung, mit hunderten Menschen, die soeben noch unter der Wiener Hitze vor sich hin geschwitzt haben, gemeinsam in einem Zug langsam abzukühlen. Allein schon geruchstechnisch kein Traum. Und da weiß man immer noch nicht, wohin man soll. Skandinavien wäre kühler, aber weit weg und teuer. In Südeuropa sind die Leute arm, und mit ein bisschen Pech trifft man auf malerischen Inseln halbertrunkene Flüchtlinge, die das eigene Vorurteil über die "Schmarotzer, die alles geschenkt kriegen", ins Wanken bringen könnten. Man fährt ja nicht auf Urlaub, um nachzudenken. Das kann man ja schon zuhause nicht.

Richtung Osten warten Journalistenmorde, Halbdiktaturen, autoritäre Staaten und Bürgerkriege, das mag auch nicht jeder. Und im Westen? Da sind die Piefke. Und die hat der Österreicher nun mal nicht so gern. Allein wegen der Sprache schon.

Die Deutschen sind uns einfach einen Deut zu deutlich.

Am besten geht man einfach in den Schanigarten ums Eck und litert den einen oder anderen weißen Spritzer weg. Da kann man Leute beobachten und mit etwas Glück den Dialog zweier bester Freundinnen voller Urlaubplanung anhören.

Freundin A: Was magst du denn sehen?

Freundin B: Die Mauer.

A: Ja. Und ich möchte die verboten Stadt sehen.

B: Und die Mauer.

A: Und dieses traditionelle Theater!

B: Und die Mauer!

A: Vielleicht auch diese Geishas?

B: Aber auf jeden Fall die Mauer!

A: Ja, und was noch?

B: Und . . . und . . . und . . . ein Reisfeld! Ich will Reis und die Mauer! Mehr interessiert mich nicht.

Man sieht: Reisen bildet. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass nicht nur die Allerschlauesten unterwegs sind.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

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