"Über den achtlos hingeschmissenen Elektro-Scooter vor dem Haustor, über den ich gerade gestolpert bin, reden wir ein ander Mal." So endete meine letztwöchige Kolumne. Und, ja, wir müssen reden. Dringend. Denn bestimmte Entwicklungen drohen uns über den Kopf zu wachsen. Rascher als vermutet.

"Städte mobilisieren gegen E-Scooter", titelt aktuell etwa ORF.at. In einem akkurat recherchierten Beitrag wird die zunehmende Antipathie gegen den Elektro-Leihroller-Hype thematisiert: Paris und Stockholm verzeichnen bereits Unfälle mit letalen Folgen, in Deutschland brauste unlängst ein Todesmutiger mit einem "Elektrokleinstfahrzeug mit Lenkstange" (so die Gesetzesbezeichnung) auf der Autobahn. Erst nach sieben Kilometern stieg er ab, unfreiwillig. In Prag, Lissabon und anderswo verschärft man gerade die Regel für den Gebrauch und Nicht-Gebrauch, also das Abstellen, der Scooter. Oder verbannt sie gleich aus der Stadt. Die Polizei hat ein neues, kräftezehrendes Betätigungsfeld. Meine Prognose lautet: Wien, Graz, Linz, Salzburg werden keine Ausnahme bleiben.

Dabei sind die Roller - auch wenn Erwachsene auf ihnen leicht kindisch wirken - eine begrüßenswerte Erfindung. Sie helfen mit, kurze Wege spontan, rasch und flexibel zurücklegen und auf Autos, Taxis und Zweiräder mit Verbrennungsmotor zu verzichten. Und, ja, nicht immer ist das Netz und der Fahrplan der öffentlichen Verkehrsmittel eng genug gestrickt, um als Alternative genug Attraktivität zu entwickeln. Allerdings: haben wir das Zu-Fuß-Gehen schon verlernt? Es scheint nicht mehr so richtig in unsere Zeit zu passen, das gemütliche Schlendern. Selbst entschlossenes, zügiges Voranschreiten hat mit den Widrigkeiten und Wunderlichkeiten der Verkehrssituation, zumal zu Stoßzeiten, zu kämpfen. Haben Sie sich als Fußgänger schon einmal unbedacht auf einen Fahrradstreifen oder einen Übergang ohne Ampelregelung begeben? Sie können eventuell von Glück sagen, diese Zeilen nicht im Krankenhaus lesen zu müssen. Im Gewusel der Gegenwart ist der Mensch auf zwei Beinen eindeutig der schwächste Verkehrsteilnehmer.

Womit wir hurtig bei einem zentralen Punkt angelangt wären: der möglichst vorausschauenden Regelung aller potentiellen Gefahren und Konflikte. Erinnern Sie sich noch an den sogenannten "Vertrauensgrundsatz", den man Ihnen eingetrichtert hat? Es ist ein Prinzip, das besagt, dass man sich auf das richtige Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer verlassen kann. Außer, und jetzt wird der Gesetzgeber apodiktisch, man müsste annehmen, dass es sich "um Kinder, Menschen mit Sehbehinderung, mit offensichtlicher körperlicher Beeinträchtigung oder um Personen handelt, aus deren augenfälligem Gehabe geschlossen werden muss, dass sie unfähig sind, die Gefahren des Straßenverkehrs einzusehen oder sich dieser Einsicht gemäß zu verhalten." Punkt. In der Praxis heißt das: Geschwindigkeitsreduktion. Bis hin zum Stillstand.

Dass aber mehr und mehr Menschen unterwegs sind, die unfähig sind, dem Vertrauensgrundsatz zu entsprechen oder ihn im Fall des Falles anzuwenden, wird man in einer nüchternen Zwischenbilanz nicht verschweigen können.