Station1 der Kaisermühlen-Welttour: Schüttauplatz/Ravenna (mit Beton-Campanile aus dem Spät-Brutalismo) - © Schmickl
Station1 der Kaisermühlen-Welttour: Schüttauplatz/Ravenna (mit Beton-Campanile aus dem Spät-Brutalismo) - © Schmickl

Kollege Franz Zauner, der es wissen muss, weil er lange dort gelebt hat, sagt über Kaisermühlen gerne, dass es im Sommer sei wie in Venice Beach, im Winter dafür wie in Wladiwostok.

Da ich in der kalten Jahreszeit kaum je dort bin (da igle ich mich lieber in den heimeligeren Bobo-Bezirken ein), kann ich, als sommerlicher Teilzeitbewohner Transdanubiens, nur den ersten Teil der Aussage bestätigen. Wobei es gar nicht unbedingt Kalifornien oder speziell der Strand von L. A. ist, an den mich der durch die legendäre TV-Serie bekannt gewordene Teilbezirk der Donaustadt erinnert, es ist eine Vielzahl an hauptsächlich in südlichen Gefilden gelegenen Orten und Regionen, derer ich auf meiner Tour durch Kaisermühlen atmosphärisch gewahr werde.

Das beginnt am Schüttauplatz mit einer Pfarrkirche, die so pittoresk aussieht, als stünde sie mitten in Ravenna. Gut, der später angebaute Beton-Campanile im Hintergrund räumt gleich einiges von der sich einstellenden Romantik wieder ab (das könnte einem in Italien aber genauso gut passieren), dafür verstärkt der am angrenzenden Park gelegene Eissalon Bortolotti den mediterranen Eindruck wieder massiv.

Station 2: Blick auf Donauplatte/Vancouver - © Schmickl
Station 2: Blick auf Donauplatte/Vancouver - © Schmickl

Weiter am Schnitterweg (sic!), entlang eines Seitenarms der Alten Donau, vorbei am leicht vergilbten Schild "Bootsverleih Dragan", das Erinnerungen an ex-jugoslawische Lebens- und Feriengefühle aufkommen lässt, bis zum Holzsteg, der hinüber zum Polizeisportverein führt. Von dieser sehr eleganten Brücke aus eröffnet sich ein echtes Weltpanorama. Auf der einen Seite fällt der Blick übers Wasser hinweg auf das Konglomerat an Hochhäusern auf der Donauplatte, was - nicht nur bei günstigen Lichtverhältnissen - aussieht wie in Vancouver. Auf der anderen Seite schaut man auf direkt ans Ufer angebaute, provisorisch, aber doch haltbar wirkende Hütten und Pawlatschen - und denkt an Kalkutta, minus Elend.

Station 3: Kleingartensiedlung bei Polizeisportverein/Murano - © Schmickl
Station 3: Kleingartensiedlung bei Polizeisportverein/Murano - © Schmickl

Auf der anderen Seite angekommen, einer Art Archipel, geht man durch eine Kleingartensiedlung, die mit ihren kunterbunt aneinander gereihten Häuschen weniger an Venice, als viel mehr an Venedig, und da wiederum an die Insel Murano erinnert. Glas wird dort, nach meiner Kenntnis, allerdings keines geblasen (der Kaisermühlner schaut an sich lieber in solches). Durch eine weitere Siedlung hindurch (die etwas verwirrend "Gänsehäufel" heißt, obwohl abseits vom gleichnamigen Bad gelegen) und ein paar verschlungene Wege später steht man schließlich am Gestade des Hauptarms der Alten Donau, und da am besten in der Restauration des altehrwürdigen Straßenbahnerbades, in einem wunderschönen, von hohen Kastanienbäumen beschatteten Gastgarten. Diesen Geheimtipp hier auszuplaudern, gleicht einem Frevel, ich weiß, aber ich vertraue auf das Kurzzeitgedächtnis von Zeitungslesern . . .

Der Blick aufs Wasser und das gegenüberliegende, im Sommer stets reichlich bevölkerte Ufer mag den einen mehr an den Nil, den anderen - vor allem nach Sonnenuntergang und bei entsprechendem Dämmerlicht - mehr an öffentliche Waschungen bei Benares erinnern. Nach ein paar Bieren ist man dann sowieso im Nirwana.