"Du weißt aber schon, dass du ned in Saudi-Arabien lebst, oder?" - "Ja, wieso?" - "Weilst mit ana Burka herumrennst." Da hat der Heinz natürlich maßlos übertrieben. Ein Maxikleid hab ich angehabt. ("Sog i jo: Burka.") Und was die Claudia anzieht, das bestimmt immer noch sie selber und nicht - der Sommer. Oder dieser Versandhändler. Nennen wir ihn Fritz. Hat mir der doch glatt zuerst "Lauftights" geschickt und auf der Rechnung frech behauptet: "Burka", Tschuldigung: "Maxikleid, schwarz." Was wollte er mir damit überhaupt sagen? Statt meine Beine unter knöchellangen Stoffmassen zu verstecken, soll ich sie lieber benutzen, um einer unerreichbaren Bikinifigur hinterherzujoggen? Den Rat hat sich der Fritz echt behalten können. Mitsamt seiner viel zu engen Hose.

Aber zum Glück gibt’s ja jetzt diese Partei eines türkischstämmigen Arztes: SÖZ ("Soziales Österreich der Zukunft"). Hier hat man Verständnis für Frauen mit Burkafigur. Das SÖZ hat auf Facebook nämlich angekündigt, ein Bad für dicke Frauen eröffnen zu wollen (nicht, dass ich so eines nötig hätte). Wo, bitte, steht in dem Posting was von dick? Na ja, was soll "selbstbestimmt über die eigenen Körpergrenzen entscheiden" denn sonst heißen? Oder dass der Druck, einem Schönheitsideal entsprechen zu müssen, "für viele Frauen eine enorme Last" wäre? Eine enorme Last, hallo? Und jedes Jahr wird sie größer. (Liegt am Jo-Jo-Effekt.) "Dick", das kann man halt nicht so plump und direkt hinschreiben, schließlich will man bei der nächsten Wien-Wahl antreten und dann auch von Frauen gewählt werden, die selbstbestimmt über die eigenen Körpergrenzen entscheiden. Keine soll sich jedenfalls mehr "zwischen Selbstbestimmung und Badespaß entscheiden müssen". (Und wohin gehen die Männer mit Bierbauch schwimmen?)

"Geschützte Räume für Frauen, in denen sie unter sich sind(,) haben einen empowernden Effekt und sind ein Zeichen der Fortschrittlichkeit und Akzeptanz." Okay, gemeint sind definitiv nicht nur die Frauen mit erweiterten Körpergrenzen. Außerdem: geschützte Räum-e. Plural. Klingt nach einem größeren Plan. He, wenn die Geschlechtertrennung aus Frauen mit Komplexen lauter Powerfrauen macht, also gut für die Emanzipation ist, warum wandeln wir nicht einfach die bald frei werdenden Raucherbereiche in Frauenzonen um? Genau. Und die Burka ist das feministischste Kleidungsstück. (Kein Schönheitsdruck mehr!) Frauenparks, Fußgängerinnenzonen . . . (Geschlechterbegegnungszonen gibt’s sowieso zur Genüge). Und was spräche gegen die U5 als reine Frauen-U-Bahn? Einiges. Moment, verstoßen Männersperrgebiete nicht gegen die Grundwerte? Ist ein Frauenbad womöglich weniger "ein Zeichen der Fortschrittlichkeit und Akzeptanz" als eines der Integrationsunwilligkeit einer Parallelgesellschaft? Ach, und welcher Parallelgesellschaft? Na, einer androphoben. Meine Anmeldung im Damenfitnessstudio sollte ich jetzt wohl nimmer länger aufschieben. Weil am Ende werden solche binnen-I-freien Zonen noch verboten. ("Sport unter Freundinnen": Freundinnen mit kleinem i!) Aber würde ich mich dort nicht erst recht wieder in eine vom Schönheitswahn diktierte Bikinifigur hineinschwitzen? Ja, eh. Dann kann ich mich endlich wieder ins gemischte Bad trauen und muss das SÖZ eventuell doch nicht wählen.