Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek

Vor 50 Jahren landeten Astronauten auf dem Mond. Die Älteren von uns haben die Übertragung im Fernsehen gesehen und die Berichte in den Zeitungen gelesen. Niemand zweifelte daran, dass erstmals Menschen den Boden des Mondes betreten hatten.

Erst Mitte der 1970er Jahre tauchte die Verschwörungstheorie auf, dass die Mondlandung gar nicht stattgefunden habe, sondern von der NASA und der US-amerikanischen Regierung vorgetäuscht worden sei. Dabei spielte ein gewisser Bill Kaysing eine tragende Rolle. Der in Chicago geborene Autor machte mit seinem Buch "We Never Went to the Moon" das große Geschäft und brachte einen Stein ins Rollen. Danach haben Verschwörungstheoretiker in aller Welt die Filme und Fotos der Mondlandung untersucht und auf vermeintliche Ungereimtheiten hingewiesen. Aber wann immer sie glaubten, ein Argument für ihre abstruse Theorie gefunden zu haben, wurde dieses prompt widerlegt. Ein Beispiel: Auf den Fotos, die auf dem Mond gemacht wurden, lassen sich keine Sterne am Mondhimmel erkennen. Dies sei ein Hinweis, dass die Aufnahmen in einem Studio gemacht worden seien, sagen die Verschwörungstheoretiker. Tatsächlich liegt der Grund darin, dass mit den verwendeten Filmen nur Aufnahmen von Objekten möglich waren, deren Leuchtstärke nicht zu unterschiedlich ist. Um die Sterne am Mondhimmel auf Film zu bannen, hätte in Kauf genommen werden müssen, dass die Astronauten völlig überbelichtet sind. Auf Wikipedia werden unter dem Stichwort "Verschwörungstheorien zur Mondlandung" viele weitere angeblichen Widersprüche aufgelistet und entkräftet.

Was hat die Mondlandung mit Jörg Haider zu tun? Im Oktober 2008 hatte der Kärntner Landeshauptmann mit knapp 1,8 Promille Alkohol im Blut einen tödlichen Autounfall. Er krachte mit 142 km/h in eine Garteneinfassung. Im Februar 2015 meldete sich Jörg Haiders Schwester Ursula Haubner zu Wort und behauptete entgegen dem Obduktionsbericht der Grazer Gerichtsmedizin: "Bis heute gibt es keine Erkenntnisse darüber, ob sich im Blut des Landeshauptmannes verbotene Betäubungsmittel befunden haben."

Nun hat Heinz-Christian Strache nachgelegt. Haiders Familie habe vor einem halben Jahr die Herausgabe der Blut- und Gewebeproben gefordert, doch die Klagenfurter Staatsanwaltschaft habe erklärt, dass es keine Proben mehr gäbe. Strache vermutet daher eine große Verschwörung: "Was ist mit den Proben passiert? Warum wurden sie nicht aufgehoben, wie dies eigentlich rechtlich notwendig gewesen wäre? Ein unfassbarer Skandal!"

Es ist kein Skandal, wie sich rasch herausstellte. Proben werden lediglich zwei Jahre aufgehoben. Die Obduktion wurde damals in Graz durchgeführt, Blut und Gewebe wurden zusätzlich von der Gerichtsmedizin in Innsbruck und in München untersucht. Weder K.o.-Tropfen noch andere Substanzen waren im Spiel - außer eben Alkohol.

Bereits kurz nach Straches Rücktritt schrieb eine Anhängerin in einem Facebook-Posting, die Ibiza-Affäre erinnere sie an Jörg Haider - nur sei Haider "nicht mehr unter uns". Laut dem "Kurier" erwiderte Strache: "Mein Vorteil war, es war kein Attentat mit Todesfolge!" Das Posting wurde später gelöscht.

Robert Sedlaczek ist
Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.