"5, 4, 3, 2, 1, Zero. All engines running. Lift off. We have a lift off!" Wie oft haben wir diese Sequenz gehört? In den letzten Tagen? In unserem Leben? Am 16. Juli 1969 hob eine 110 Meter hohe Saturn V-Rakete vom Kennedy Space Center in Florida ab, um die Mission Apollo 11 zum Mond zu befördern. In einer engen Kapsel an ihrer Spitze saßen drei Astronauten, deren Namen sich in das Gedächtnis der Menschheit eingebrannt haben: Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin Aldrin. Vier Tage später standen erstmals Menschen auf dem Erdtrabanten. 600 Millionen Zuseher verfolgten die Mondlandung live im Fernsehen. Die Hälfte aller damals weltweit existenten TV-Geräte war auf Empfang.

Auch ich saß gebannt vor dem Fernsehschirm. Es war ein voluminöses Röhrengerät im Haus unserer Nachbarin auf dem Land. Die Flut unscharfer Schwarz-Weiß-Bilder war für einen Siebenjährigen enorm beeindruckend, die Aufgeregtheit der Erwachsenen ansteckend. Hier passierte etwas, das uns auch 50 Jahre später noch in Bann zieht (auch wenn, jössas!, der ORF die Original-Magnetbänder seiner Übertragung der Mondlandung später weitgehend gelöscht hat). Eine Erkenntnis aus der Wiederbesichtigung des historischen Ereignisses: Apollo 11 war ein unglaublicher Husarenritt, eine technisch höchst wackelige, grenzwertige, todesmutige Expedition. Man hatte für US-Präsident Nixon auch eine Ansprache vorbereitet, die den letalen Ausgang der Mission verkündete. Glücklicherweise wurde diese Rede nie gehalten.

Eine zweite Erkenntnis: Das Raumfahrtprogramm "im Namen der Menschheit" war nicht hehren Motiven geschuldet, sondern befeuert vom Kalten Krieg und der militärischen Rivalität der Supermächte USA und Sowjetunion. Atemberaubende 5,5 Prozent des amerikanischen Haushalsbudgets wurden in das Apollo-Projekt gesteckt, weil nationales Prestige auf dem Spiel stand. Dass sich der fieberhafte Wettstreit nicht auf Dauer durchhalten ließ, mündet in der Tatsache, dass seit den frühen Siebzigerjahren niemand mehr den Mond betreten hat. Die Nasa wurde zum "Reisebüro für Reisen ins Nirgendwo".

Beflügelt durch einen Privatklub wagemutiger Multimillardäre wie Elon Musk, Richard Branson oder Jeff Bezos kommt die alte Idee von der Eroberung des Weltalls erst jetzt wieder in Fahrt. Eine erste erfolgreiche Mars-Mission bis 2030 scheint realistisch. Der Plan B für das Überleben der humanoiden Spezies, nämlich erdähnliche Planeten in greifbarer Reichweite zu erreichen und zu besiedeln, ist dagegen noch Science Fiction. Doch zumindest innerhalb des Gedankenuniversums von Experten wie dem japanischen Physiker Michio Kaku (Leseempfehlung: "Abschied von der Erde. Die Zukunft der Menschheit", Rowohlt Verlag 2019) ist dies eine visionäre, aber technisch bewältigbar erscheinende Option. In Kakus Kompendium der abgehakten und noch zu erledigenden Aufgaben habe ich mir diese trockene Anmerkung von Larry Niven herausgestrichen: "Die Dinosaurier starben aus, weil sie kein Raumfahrtprogramm hatten. Falls wir jemals aussterben sollten, weil wir kein Raumfahrtprogramm haben, geschieht es uns recht." Der heroische Flug zum Mond hat die Tür zur Zukunft nur einen Spalt geöffnet.