Sommerzeit ist Reisezeit, jedenfalls für die Bewohner unserer Breiten, für die es heutzutage selbstverständlich scheint, sich zur Erholung in ferne Lande zu begeben, um zu baden, gut zu essen und vielleicht auch kulturelle Stätten zu besuchen.

Vor 2000 Jahren sah die Situation anders aus: Reisen bedeutete eine schwierige Herausforderung, der sich der durchschnittliche Bewohner des römischen Imperiums nur ungern stellte. Schließlich war jeder Ortswechsel mit Anstrengungen und Gefahren verbunden, reiste man doch großteils zu Fuß und musste sich vor Räubern und Wegelagerern in Acht nehmen. Daher machten sich nur bestimmte Berufsgruppen wie Soldaten und Händler oder religiös motivierte Pilger auf den Weg, um weit entfernte Ziele zu erreichen.

Doch es gibt auch vereinzelte Beispiele dafür, dass hochgestellte Persönlichkeiten zur Erholung auf große Fahrt gingen. So war die Region um den Golf von Neapel schon in römischer Zeit Rückzugsort der Elite, die sich dort in ihren prunkvollen Villen in Gesellschaft Gleichgesinnter den schönen Seiten des Lebens hingab. Sizilien war ebenfalls ein solcher Sehnsuchtsort und sorgte zudem durch seine einzigartige Landschaft für Interesse in höchsten Kreisen.

Als Kaiser Hadrian nach einer ausgedehnten Inspektionsreise durch sein Imperium im Jahr 125 Station auf Sizilien machte, tat er dies nicht wegen dringender Verwaltungsaufgaben, sondern aus rein persönlichen Gründen: Der Kaiser, der ein gebildeter Bewunderer der griechischen Kultur war, wollte den Vulkan Ätna als Naturspektakel bestaunen, das Furcht erregte und zugleich die Betrachter faszinierte. Er spucke die ganze Nacht hindurch Feuer, schrieb der ältere Plinius in seiner berühmten "Naturgeschichte" und zudem meinte man, dass der berühmte Philosoph Empedokles hier den Freitod gewählt hätte. Hadrian habe - glaubt man einer späteren Quelle - die beschwerliche Besteigung allerdings nur auf sich genommen, "um den Sonnenaufgang zu erleben, der in dem bunten Spiel des Regenbogens schillern soll".

Seine Reiselust jedenfalls verließ ihn nicht: Schon bald nach seiner Rückkehr nach Rom trieb es Hadrian erneut hinaus. Nach einem Nordafrika-Besuch im Jahr 128 begab er sich über Athen auf eine Reise in die Osthälfte seines Reiches. Um auch im heimatlichen Latium an jene Orte erinnert zu werden, die er unterwegs besucht hatte, ließ er in Tivoli eine gewaltige Palastanlage errichten: Die Villa Adriana umfasst mit ihrer facettenreichen Architektur und den Gartenanlagen eine Vielzahl von Bauten und Objekten, die Hadrian auf seinen Reisen in die Provinzen des Römischen Reiches, vor allem in Griechenland und Ägypten, kennengelernt und mitgebracht hatte.