Nach den Erfahrungen auf der Hinreise sind wir auf der Rückreise lieber viel zu früh am Flughafen als vorgesehen. Die Ankunftshalle auf der Ferieninsel ist zugleich auch die Abflugshalle. Halle ist leicht übertrieben. Es gibt ein paar Sitzgelegenheiten, eine Kaffeebar und einen Zeitungskiosk. Mich wundert, dass schon so viele Reisende da sind. Quasi alle Plätze besetzt. Und das weit über zwei Stunden vor dem Abflug.

Stimmt nicht, sagt der ältere Herr neben mir. Die Menschen hier warten nicht auf den Flug, der in zwei Stunden nach Wien gehen soll, sondern auf den, der vor drei Stunden nach Salzburg hätte starten sollen. Da draußen in der Sonne steht die Maschine, Gepäck ist schon eingeladen, nur die Leute sitzen noch rum und warten. Warum weiß keiner so genau. Das ist wie der letzte Flug raus dem Kessel von Stalingrad, sagt der ältere Herr. Seine Frau nickt. Ich suche jemanden, der nach Wien will. Allmählich tröpfeln auch immer mehr von denen ein.

Der Flug nach Wien ist insofern ein Rätsel, als es ihn nicht gibt. Er steht nur auf unseren Tickets, auf der Anzeigetafel steht er nicht. Das Bodenpersonal am Flughafen auf der Ferieninsel ist ungefähr so auskunftsfreudig wie ich bei der Mathematikmatura. Irgendwann sind wenigstens die Salzburger weg. Warum so plötzlich, warum nicht vorher, man weiß es nicht. Dafür sollen die Wiener in drei Busse steigen. Die uns zu einem anderen Flughafen bringen werden. Zwei Stunden durch die Landschaft. Allmählich wird es Abend. Eh schön.

Hinter mir im Bus sitzt jemand von der größten Ferienanlage vor Ort. "Das schaffen wir schon", sagt er zur Kollegin neben sich, "letztes Jahr war das Chaos noch größer und wir haben es trotzdem geschafft." "Echt, noch schlimmer", sagt sie. Er stöhnt nur. Als er merkt, dass ich zuhöre, sagt er nichts mehr.

Knapp sieben Stunden nach der geplanten Abflugzeit heben wir endlich ab. Kaum in der Luft, legt der Kapitän los.

Technisches Problem, Verzögerung, Arbeitszeitenüberschreitung, Ersatzcrew, keine Landeerlaubnis, blablabla. Gefühlte 20 Minuten dauert das. Dann liest er den Zettel noch einmal auf Englisch vor. Ich schlafe selten ein im Flugzeug. Diesmal ist es mir gelungen.