Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Es gibt angeblich im Hirn so viele Zellen wie Galaxien im Universum. Gut, bei manchem Zeitgenossen hat man das Gefühl, hier fallen nur mehrere Schwarze Löcher ineinander. Das heißt aber umgekehrt, ein jeder hat ein ganzes Universum im Schädel. Manche nutzen das zum Autofahren, andere, um damit Lebensmittelspekulationen durchzurechnen, und Dritte machen Urlaub auf Ibiza.

Es gibt aber auch Leute, die diese Nervenzellen dazu nutzen, um sich Gedanken über das Universum zu machen. So entstehen dann Theorien. Eine meiner liebsten: das Blasenuniversum. Muss man sich wie ein großes Schaumbad vorstellen, und in jeder Blase steckt ein Universum. Alle miteinander bilden dann das Multiversum, weil es unendliche viel Blasen gibt. Und Unendlichkeit ist ja leicht vorzustellen. Wie hat Einstein gesagt? "Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir aber nicht ganz sicher." Oder warum arbeiten Menschen an der Erfindung der künstlichen Intelligenz, aber nicht an der künstlichen Dummheit? Denn in dieser Kategorie sind wir unschlagbar.

Verlassen wir einmal die heimische Innenpolitik, das Fernsehprogramm und die Wirtschaftswissenschaften (die einzige Glaubensrichtung, die im Gewand der Mathematik daherkommt) und blicken wir auf die Liste der bedrohten Arten. Auf dieser Roten Liste stehen mittlerweile mehr als 28.000 Tier- und Pflanzenarten. Und warum? Wegen Monokulturen, Wasserverschwendung, Holzwirtschaft und - natürlich - dem nie versiegenden Durst nach Erdöl. Das holen die freundlichsten Umweltschweinderln der Welt aus dem Meeresboden. Denn daraus kann man Plastik machen. Und daraus wieder Plastikbecher, die mensch nach einer Verwendungsdauer von einer halben Stunde in den Müll schmeißt. Der wird in die Dritte Welt exportiert und dort schmeißt man ihn wieder ins Meer. Wo es sich in ein paar tausend Jahren zersetzt. Vielleicht.

Ich vermute, diese Blödheit hätte sich nicht einmal Einstein vorstellen können. Dagegen hilft es freilich auch nicht, Veganer zu werden. Erst recht nicht, wenn man zum veganen Supermarkt mit dem SUV fährt und sich Kosmetikprodukte mit Palmöl ins Gesicht schmiert. Aber vielleicht wird uns das auch einmal nützen. Wer weiß, vielleicht landet doch eines Tages am Gaußplatz im 20. Bezirk eine außerirdische Lebensform (der Landeplatz wurde ja dort schon vor Jahren errichtet) und verkündet der Menschheit Großartiges. "Wir sind", werden sie in feierlichem Tonfall sagen, "durch sämtliche uns bekannte Universen gereist und haben alle verfügbaren Lebewesen untersucht. Von den blauen Federwesen, die aussehen wie Spiralnudeln und ihren Daseinszweck darin sehen, ihren Artgenossen auf den Kopf zu kacken, bis zu den halslosen Rotlingen, die sich gegenseitig so lange Steine auf den Kopf hauen, bis sie so intelligent wie die Steine sind. Wir haben alles gesehen! Aber Ihr, Erdlinge, Ihr habt gewonnen. Ihr seid die Allerblödesten im gesamten Multiversum."

Und dann kriegen wir als Trophäe einen vergoldeten Klobesen, der entfernt an Donald Trump erinnert. Yeah! Wer weiß. Hab ich mir ja auch nur ausgedacht. Nur eine kleine Schleife gedreht in meinem eigenen Kopfkosmos. Ich danke, dass Sie mitgeflogen sind.