Nach einer Reihe von Todesfällen, die wieder deutlich gezeigt haben, dass Handys gefährlicher sind als Haie, wird jetzt endlich auf die Bedrohung reagiert. Das nächste iPhone soll jedenfalls über ein revolutionäres Feature verfügen, das Leben retten kann: Es wird . . . Trommelwirbel . . . mit keiner Frontkamera mehr ausgestattet sein. Damit sich niemand mehr mit einem Selfie umbringen kann. Manchmal muss man die Leute eben vor sich selber schützen.

Angeblich kommen nämlich fünfmal so viele Menschen um, während sie sich selber fotografieren, wie durch Haiangriffe. Doch das ist vielleicht eh nur deshalb so, weil der Hai das Handy halt mit verspeist hat. Im Kampf gegen Killer-Selfies herrscht in manchen Todeszonen sogar bereits ein Selfie-Verbot. Erst heuer im Jänner hat es dieses Model erwischt, das in Flip-Flops Berge bestiegen hat. Nein, falsch, im Bikini hat die Taiwanesin auf etwa 100 Gipfeln posiert. Ach, und auf dem 101. ist sie dann von einem fliegenden Hai . . .? Wie in "Sharknado", diesem katastrophalen Horrorfilm, wo ein Tornado hungrige Fressmaschinen aus dem Meer fischt und an Land auf arglose Spaziergänger wirft? Und die "Selfiebitionistin" im Gebirge hatte blöderweise keine Kettensägen-App, um sich aus dem Haimagen zu befreien? I wo. Erfroren ist sie. Okay, nicht im Bikini. Sondern nachdem sie in normaler Bergsteigerkluft in eine Schlucht gestürzt war. Blödsinn. Nein, nicht das mit den Bikini-Selfies oder den Verbotszonen. Das mit dem Handy ohne Selfie-Kamera! Warum eigentlich nicht gleich eines gänzlich ohne Kamera? Weil eine verheerende Hungersnot ausbrechen würde. Wegen dieser weitverbreiteten Essstörung. Viele können bekanntlich nichts essen, wovon sie nicht vorher ein Foto gepostet haben.

Das wahre Problem ist aber sowieso ein anderes: die Gier nach dieser Kryptowährung. Nach Bitcoins? Kalt. Nach Likes! Man kann sich zwar nix dafür kaufen, trotzdem werden die verrücktesten Selfies und Sachen gemacht, um sie zu kriegen. Klingt eher nach digitaler Droge. Immerhin machen die Dinger süchtig. Ständig braucht man mehr, hat nie genug. Und irgendwann bekommen die Junkies Depressionen. Haben Schlafstörungen. (Na ja, wenn man dauernd nachschauen muss, wie beliebt man ist, wie soll man da in Ruhe durchschlafen?) Eine Frau hat sogar abgetrieben, weil das Ultraschallfoto zu wenig Likes erhalten hatte. Was? Die Meldung war ein Schmäh? Glaub ich nicht. Laut Eigendefinition ist "Die Tagespresse" schließlich "Österreichs seriöseste Onlinezeitung", oder?

Instagram experimentiert also nicht aus Datenschutzgründen grad mit unsichtbaren Likes. Keine Angst, für einen selber sind die Likes, die man kriegt, schon noch zu sehen. Bloß nicht für die andern. Tja, kann man wenigstens nimmer öffentlich gedemütigt werden. Von irgendwelchen sadistischen Nicht-Likern. Nur noch privat. Nicht, dass man deswegen weniger Antidepressiva bräuchte. Wieso werden die Likes denn nicht einfach überhaupt abgeschafft? He, das ist wie beim Kinderfußball, wo man aufgehört hat, die Tore zu zählen, die aber trotzdem noch da sind. Und wer hat dann am Ende gewonnen? Die Mannschaft mit den meisten ungezählten Toren? Nein, keiner. Zumindest die Kleinen sollen ja noch in einer Welt ohne Verlierer leben. In der niemand gewinnen darf, weil jeder ein Sieger sein muss. Muss.