Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek

"Der Wahlkampf wird immer schmutziger", "Schmutzkübelkampagne gegen Sebastian Kurz", "Schmuddelseiten im Internet" und "Dreck aus der allertiefsten Schublade". Das sind die Schlüsselwörter der vergangenen Tage. Klopfen wir sie der Reihe nach ab. Wo liegen die sprachgeschichtlichen Wurzeln? Welche Redewendungen ranken sich um sie?

Ich beginne mit dem häufigsten Wort, das die Vorkommnisse der letzten Tage angeblich so trefflich beschreibt: der Schmutz. Die Wörterbücher definieren ihn so: etwas, das irgendwo Unsauberkeit verursacht; etwas, das verunreinigt, beispielsweise Staub oder aufgeweichte Erde. Das Wort ist im Spätmittelhochdeutschen als "smuz" belegt, wobei die Feuchtigkeit im damaligen Wortsinn eine große Rolle spielte: Gemeint war ein feuchter Schmutz. In den Redewendungen wird ein übertragener Sinn deutlich: "jemanden durch den Schmutz ziehen" bedeutet: jemanden verunglimpfen, jemanden in übler Weise verleumden. Man sagt auch: "jemanden mit Schmutz bewerfen".

Das Wort "Schmutzkübelkampagne" ist ein Spezifikum des österreichischen Deutsch. Gemeint ist eine Kampagne, die mit unlauteren, unfairen Mitteln geführt wird. Dasselbe wird in Deutschland etwas verkürzt Schmutzkampagne genannt.

Das Wort Dreck hat eine andere Historie. Es ist im Althochdeutschen als "drec" belegt und hat primär Kot, Exkremente bedeutet. Heute meint man damit dasselbe wie mit Schmutz - und außerdem ist Dreck ein wertloses Zeug. Typische Wendungen sind: "jemanden wie den letzten Dreck behandeln": jemanden schlecht und entwürdigend behandeln; ferner "Dreck am Stecken haben": nicht integer sein. In Verbindungen mit einem Substantiv wird mit Drecks- zum Ausdruck gebracht, dass etwas oder jemand besonders verabscheuenswert ist: Drecksleben, Dreckskerl.

Für die missglückte Formulierung "Dreck aus der allertiefsten Schublade" gebührt Sebastian Kurz das Copyright. In einem Facebook-Posting versuchte er, zwei Wendungen unter einen Hut zu bringen: "im tiefsten Dreck wühlen" und "aus der untersten Schublade".

Das Wort Schmuddel stammt aus dem Norden des Sprachraums. Gemeint ist ein unangenehmer, klebriger Schmutz, der an etwas haftet oder etwas bedeckt. Es ist abgeleitet von schmuddeln: nachlässig mit etwas hantieren und dabei Schmutz verursachen. Mittelniederdeutsch "smudden" hat verschmutzen bedeutet. Mir ist sowohl das Substantiv als auch das Verbum fremd. Nur in Zusammensetzungen kann ich damit etwas anfangen. Schmuddellokal (heruntergekommenes Lokal), Schmuddelkind (schmutziges Kind, das sich auf der Straße herumtreibt), Schmuddelecke (Stelle, an der Schmutz und Unrat herumliegt), Schmuddelwetter (feuchtkaltes Wetter, bei dem die Wege matschig sind) - und Schmuddel-
Website. Geläufig ist mir auch das Adjektiv schmuddelig: mit klebrigem, schmierigem Schmutz behaftet; schmutzig und unordentlich. Im übertragenen Sinn würde ich jemanden als schmuddelig bezeichnen, der unwahre und diffamierende Behauptungen ins Netz stellt und auf deren Verbreitung hofft. Die klassischen Medien und die Politik sollten diese Trolle negieren. Je mehr man sie füttert, desto gefräßiger werden sie.

Robert Sedlaczek ist
Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.