Die allermeisten Texte in Sachen Mobilität habe ich, bei aller
Engagiertheit, weder zur Verkehrswende via Elektrifizierung (oder sonstiger Technologien) geschrieben noch zu öffentlichen Nahversorgung durch Bahn, Bus, Uber oder Taxi. Und das Fahrrad ist zwar ein grundsätzlich attraktives Vehikel, aber mittlerweile ideologisch so aufgeladen, dass man mehr als Fanal durch die Stadt radelt denn aus purer Lust an der Freud’. So kommt es mir jedenfalls vor.

Was war es dann, das mich nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich bewegte? Ein Sportwagen. Wenig überraschend, hör’ ich Sie murmeln, typisch Mann jenseits der 50! Mag sein. Aber ich fahre diese Marke und dieses Modell seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Als Privattaxi. Vielleicht bin ich nur ein treuherziger Depp, aber auch ein publizistischer Fanboy. Und, ja, mir ist genauso wie dem japanischen Auto-
hersteller Mazda zum Feiern zumute: Der MX-5 feiert 30 Geburtstag! Es handelt sich um jene Baureihe, die quasi im Alleingang die Renaissance des klassischen Roadsters eingeläutet hat. Unkompliziertes Verdeck, Heckantrieb, ausreichende Motorisierung, exzellentes Handling und ein Preis, der immer leistbar war und blieb - das ist das Erfolgsrezept des MX-5. Mittlerweile fährt die vierte Generation durch die Gegend, optisch angeschärft, aber in seiner Genetik und Haptik immer noch das Spaß-Cabrio schlechthin.

Ich durfte auf Einladung des Importeurs für einige Tage Platz nehmen im Jubiläumsmodell, das weltweit auf 3.000 Exemplare limitiert ist. Über das Knallorange der Sonderlackierung kann man debattieren
(mir taugt diese "Pop!"-schreiende- Farbe), über die Ausgewogenheit, Reife und Alltagstauglichkeit des Vehikels nicht. Das puristische Konzept ist kein puritanisches. Der MX-5 ist und bleibt ein Traumauto. Subjektiv wie objektiv.

Aber darf man anno 2019 überhaupt noch so offenherzig seinen Enthusiasmus zeigen? Erst recht, wenn es sich um ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor handelt, das offensichtlich nicht für Schulsammeltransporte oder Arzneimittelzustellungen in Bergregionen verwendet wird? Klar, hör’ ich schon wieder ein Raunen, jedermann (sic!) ist käuflich. Da helfen auch keine Hinweise, wie sie zunehmend in kleine Kästchen neben größere Artikel gesetzt werden: "Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt auf Einladung seitens der Automobilimporteure oder -hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung."

No na, möchte man sagen. Es ist ein Zug unserer Zeit, Warntafeln selbst für Dummerchen aufzustellen, die eventuell einen vollgetankten Benzintank automatisch mit struktureller oder persönlicher Korruption gleichsetzen. Insofern ist diese Kolumne ein Bekennerschreiben: Ja, ich wurde bestochen. Von einer Idee. Und ihrer Umsetzung. Und bin ihr verfallen. Allerdings nicht kritiklos (wie man mühelos, wenn man Google anwirft, nachprüfen kann). Nennen Sie es eine persönliche politische Entscheidung: Der MX-5 ist das Geilomobil meines Lebens. Und bleibt es absehbar noch ein paar Jahre. Puritanismus ist auch kein brauchbares Zukunftsrezept.