Na super, die Greta wird sich freuen. (Das war natürlich ironisch gemeint.) Jetzt werden viele ihren Flug vielleicht doch nicht stornieren, um sich stattdessen eine Zugfahrkarte zu kaufen. Die werden ihre Flugtickets wohl lieber behalten. Und nicht einmal ein schlechtes Gewissen dabei haben. Das Klima zu retten ist ja toll, aber soll man deswegen gleich das eigene Leben riskieren? Außerdem: Wie soll man die Erderwärmung aufhalten, also zu den "Fridays For Future"-Demos gehen, wenn man tot ist? Zombies gibt’s schließlich nur im Film. Womöglich werden die Leute sogar wieder mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren und nimmer die U-Bahn nehmen. Verdammt, warum hab ich nie den Führerschein gemacht?! Na ja, weil ich der irrigen Meinung war: "In der Stadt brauchst den eh ned. Da suchst sowieso bloß dauernd einen Parkplatz. Und wennst den endlich gfunden hast, musst dir a Taxi rufen, damitst von dort heimkommst. Und am nächsten Tag suchst dein Auto."

Bedanken kann sich die Greta jedenfalls bei diesen Schubsern. (Das war wieder ironisch gemeint.) Okay, wahrscheinlich bringen die Pokemóns viel mehr Menschen um ("Pokemón-Go-Spieler von Güterzug erfasst - tot"). Und die Navis ("Navi führte Lenkerin in den sofortigen Tod", "Navi befahl umzudrehen: Lkw-Fahrer wurde auf Tauernautobahn zum Geisterfahrer"). Vor den Amokschubsern, die irgendwen vor einfahrende Züge stoßen, hab ich trotzdem mehr Schiss. Als ob mir die Messermachos, Terroristen, Stimmenhörer (sind das die, die ihren Navis blind gehorchen?), Killerhunde, Rad- und E-Scooterfahrer nicht gereicht hätten. Schön langsam komme ich mir echt vor wie in diesem Western. Wie in "A Million Ways to Die in the West" ("Eine Million Möglichkeiten, im Westen zu sterben"). "Der Wilde Westen is ne ganz furchtbare Gegend. Alles und jeder will dich töten", fasst es da ein Schafszüchter zusammen. Ein richtig arges Grätzl also. (Nicht, dass jede einzelne Todesart verfilmt worden wäre. Eine Million, hallo?)

Und? Existiert wenigstens "One Way Not to Die in the West"? Klar. Immer mit dem Rücken zur Wand stehen. Dann kann einen zumindest keiner von hinten auf die Gleise schubsen. Und wenn an der Wand alle Stehplätze besetzt sind? Oder es schlicht keine Wand gibt? He, könnte man nicht die Sicherheitslinie an der Bahnsteigkante um eineinhalb Meter zurückversetzen? Und die Züge der U- und Eisenbahn (und die Bim und die Busse) müssen vor der Station stehenbleiben? Und dürfen nachher höchstens im Schleichtempo einfahren?

Die Treppe benutze ich übrigens auch nimmer. Zu gefährlich. Ich könnte runterfallen. Weil ich beim ständigen Über-die-Schulter-Schauen, falls einer hinter mir ist, der mir einen Schubs geben will, ja das Übergewicht bekommen könnte. Jetzt krieg ich das Übergewicht eben beim Liftfahren. Infolge des Bewegungsmangels.

An der roten Fußgängerampel wartet die Angst neuerdings ebenfalls mit. Dass mich wer vor ein Auto schubst. Mich vorsorglich an der Stange von der Ampel festzuklammern, das wäre mir aber irgendwie peinlich. Ach, warte ich halt nicht mehr. Geh ich einfach ein paar Meter neben dem Zebrastreifen rüber. Querstreifen machen ohnedies dick. Und die Autos werden schon ausweichen. In so einer Welt muss ich nun also leben. Eigentlich kann man in der überhaupt nicht leben. Nur über-leben.