Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek

Die Ziffer fünf scheint für Jakob Ebner eine magische Zahl zu sein. Vor fünfzig Jahren erschien erstmals im Duden-Verlag sein Buch "Österreichisches Deutsch". Seit wenigen Tagen ist die fünfte Auflage im Buchhandel erhältlich - mit dem neuen Untertitel: "Wörterbuch der Gegenwartssprache in Österreich". Das Buch hat etwas mehr als fünfhundert Seiten.

Was ist neu? Der Linzer Lexikograf hat veraltete Wörter gestrichen, denn "das österreichische Deutsch soll kein Sprachmuseum sein". Auch das Dialektale wurde zurückgenommen: "Es schien wichtiger, österreichisches Deutsch auch in Hinblick auf die internationale und europäische Geltung als Standardvarietät zu dokumentieren."

Während früher die Stichwörter auch mit literarischen Zitaten belegt wurden, verwendet Jakob Ebner dieses Mal nur noch Zitate aus Zeitungen und aus dem Internet. Damit ist gewährleistet, dass der aktuelle Sprachgebrauch in Österreich dokumentiert wird.

Ebners Werk geht über ein normales Wörterbuch weit hinaus. Es enthält zusätzlich auf rund 80 Seiten einen Beitrag über die Merkmale des österreichischen Deutsch, und zwar nicht nur auf dem Gebiet des Wortschatzes. Wir unterscheiden uns ja von den Deutschen - meist sind die Norddeutschen gemeint - auch in den Bereichen der Aussprache, der Grammatik und der Pragmatik. Unter Pragmatik versteht man die Anwendung von Sprache in verschiedenen Handlungssituationen. Für Deutschland ist eine direktere und kürzere Art der Rede typisch, die in Österreich als härter und weniger höflich empfunden wird. Dagegen neigt man in Österreich zu einem indirekten Redeeinstieg, der sich nur langsam dem Thema nähert: Bitten werden häufig im Konjunktiv gehalten ("Ich hätte gerne...", "Dürfte ich Sie bitten..."). Fragen um Auskünfte werden häufig mit Entschuldigungen begonnen ("Entschuldigen Sie bitte, könnten Sie mir sagen...").

Ebners Analysen zeichnen sich durch Unaufgeregtheit aus. "Österreichische und deutschländische Formen schließen einander nicht unbedingt aus. Wenn ,Erdäpfel‘ in das Standarddeutsch aufgestiegen ist, heißt das nicht, dass deshalb ,Kartoffel‘ unösterreichisch wäre." Kartoffel ist nämlich die amtliche Bezeichnung, und so esse ich Frühkartoffel und nicht Früherdäpfel.

Wichtig ist auch die Unterscheidung von formellem und informellem Sprachgebrauch. "Oft gibt es Wörter, die zweifellos standardsprachlich sind, in bestimmten öffentlichen Situationen aber vermieden werden. So bezeichnet man einen Kleiderschrank üblicherweise als Kasten, im Handel wird aber das formelle Wort Schrank verwendet.

Der Wörterbuchteil ist ein wichtiges Nachschlagwerk, deshalb sollte das Buch in keinem Amt und in keiner Redaktion fehlen. Nicht zuletzt ist es auch ein Muss für jeden, der sich für die Sprache interessiert. Und mit einem Preis von 18,50 Euro ist es auch wohlfeil.

Das "Österreichisches Deutsch" gibt Zeugnis von einem beeindruckenden Lebenswerk, und es ist ohne staatliche Förderung entstanden. Zurzeit bekommen einige Universitätsinstitute vom österreichischen Staat eine Menge Geld, um den Zustand der österreichischen Sprache zu erheben. Jakob Ebner hat ihnen die Latte hoch gelegt.

Robert Sedlaczek ist
Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.