"Hallo Walter, es ist schön, Erinnerungen wach zu halten. Wir könnten uns vorstellen, dass du gern an diesen Beitrag von vor 7 Jahren zurückdenkst." Ah, Facebook spricht mit mir. Und hilft meiner Erinnerung auf die Sprünge. Indem es mir ein Foto in die Timeline spült, das ich schon längst vergessen hatte. Es ist das Bild eines seltsamen Testgefährts. Wie hieß es nochmal? Twizy. Renault Twizy. Ich beschrieb das Elektromobil anno 2012 als "fahrbare Studie für urbane Avantgardisten" und schien - mit Abstrichen bei der Wintertauglichkeit des futuristischen Kabinenrollers - durchaus angetan.

Eine Frage drängt sich bei der unvermuteten Wiederbegegnung aber mit Vehemenz auf: Wo blieben eigentlich die Alternativen? Denn die Klasse der leichten, innovativen, elektrogetriebenen Fahrzeuge für den Stadtverkehr ist in den sieben Jahren seit meiner Twizy-Erstausfahrt angebotsmäßig nicht gerade explodiert. Und sieben Jahre sind in unserem rasanten Zeitalter, sorry, eine Ewigkeit. Wenn ich mich recht erinnere, war damals kaum noch die Rede vom Klimawandel, von der Verkehrswende, von der Mobilität der Zukunft.

Im August 2019 sieht die Welt schon anders aus. Greta Thunberg segelt über den Atlantik, um für ihre Generation ein Zeichen gegen die hausgemachte Erderwärmung zu setzen. Beim UN-Klimagipfel in New York treffen einander im September neunzig Staats- und Regierungschefs, um einmal mehr mahnende Worte zum Thema Nr. 1 zu verlieren (meinen sie damit sich selbst?). In Wien und andernorts diskutiert man SUV-Fahrverbote. Und gerade höre ich im Ö1-Mittagsjournal, dass sich die drei größten Parteien des Landes gegen CO2-Steuern aussprechen - das würde vor allem Autofahrer am Land treffen, die auf ein Fahrzeug angewiesen seien, meint etwa die SPÖ. Dabei muss laut EU-Klimaziel Österreich bis 2030 seine Treibhausgas-Emissionen um ein Drittel reduzieren. Wie das gehen soll, bleibt unklar.

Dabei wäre es, etwas guten Willen vorausgesetzt, relativ einfach: Schmeißt Autos mit Verbrennungsmotor ’raus aus den Städten! Zumindest größere Autos aus größeren Städten. (Für die Chronisten: 2019 war das Jahr, in dem die ersten Gemeinden hierzulande den Klimanotstand ausgerufen haben. Darunter Traiskirchen als erste Stadt.) Und begünstigt die Nahversorgung auch am Land. Und zwar entschieden - was es bedeutet, wenn Senioren in Dörfern des Greißlers verlustig gegangen sind und mit ihrer Caritas-Betreuerin in den überdimensionalen Supermarkt in die nächste Stadt fahren müssen, erlebe ich gerade hautnah in der Sommerfrische. Es kostet Zeit, Geld, Natur, soziale Kontakte. Und Karmapunkte. Wer nach Giuseppe Tomasi di Lampedusa möchte, dass - in punkto politischer und tatsächlicher Großwetterlage - alles bleibt, wie es ist, wird rasch einsehen, dass es nötig ist, dass sich alles radikal ändert.

Ich stehe wohl nicht in Verdacht, ein Autohasser zu sein. Und würde zwecks Gaudi sogar das vom oberösterreichischen Paradeinnovator Kreisel Electric für Öko-Vorkämpfer Arnold Schwarzenegger umgebaute Hummer-Mobil besteigen. Zukunft darf (und muss) auch Spaß machen. Allein: Seine Bedürfnisse zurückzuschrauben kann (und wird) ein machtvoller Sprung vorwärts sein.