Ach, was kann denn schon groß passieren, wenn ich das Zeug schlucke, dieses . . . irgendwas mit einem x am Ende? Schlimmstenfalls wird mir ein bisserl schlecht, ich hab Bauchweh, muss mich überall kratzen, meine Nieren versagen, die Haare fallen mir aus und Nasenbluten kann ich ebenfalls kriegen. Aber das ist eh "sehr selten". (Das mit dem Nasenbluten.) Dafür muss sich allerdings "sehr häufig" einer übergeben.

Oder eigentlich nicht bloß einer ("betrifft mehr als 1 von 10"). Macht mindestens zwei. Und diese zwei bekommen obendrein "Verstopfung oder Durchfall". Oder? Okay, wenn ich’s mir aussuchen kann, dann Verstopfung, bitte. Spart Klopapier. Außerdem könnte ich mir ohnedies jederzeit dieses Abführmittel aus der Fernsehwerbung besorgen. (Hätte ich danach nicht erst recht Dünnschiss?) Jedenfalls müssen höchstens acht von zehn, die dieses Irgendwas-mit-einem-x-am-Ende nehmen, nachher nicht "sehr häufig" die Toilette aufsuchen. (Oder eben nicht "sehr selten", falls sie sich für die Verstopfung entschieden haben.) Hm. Schön langsam kommen mir gewisse Bedenken. Ob ich es nicht doch lieber noch einmal mit Aspirin versuche? Oder mit Ibuprofen? Nein, die beiden hatten ihre Chance. Die tun nix. Überhaupt nix. Die wollen nicht einmal spielen. (Was? Vom Ibuprofen wird lediglich bis zu einem von zehn Behandelten kotzübel? Also theoretisch auch keinem Einzigen. Kein Wunder, dass das nicht wirkt.) Aber müssen meine neuen Schmerztabletten deshalb gleich so verspielt sein?

"Ich schluck die tonnenweise. Die san harmlos." Super. Das hat mir gerade noch gefehlt. Dass ich jemanden persönlich kenne, dem die Dinger nichts antun. Wahrscheinlichkeitsrechnung, hallo? Jetzt sind nur noch maximal sieben Plätze unter den ersten zehn übrig, auf denen man kein Speibsackerl braucht. Was, wenn ich zufällig einen von den mindestens zwei schlechten Plätzen erwische? (Mir geht’s sowieso schon so hundsmiserabel.) Wurscht, ich riskier’s trotzdem. Richte mir halt vorsorglich einen Kübel her. Aha, "möglichst im Ganzen zu den Mahlzeiten" einnehmen. Und am besten "auf nüchternen Magen". So entfaltet das Mittel "seine Wirksamkeit rascher". Also, was nun: beim Essen oder hungrig? Mit leerem Magen hätte ich wenigstens nix für den Kübel. He, ich ess einfach eine halbe Semmel! Als Kompromiss.

Grad wie ich mir das Teufelszeug endlich beherzt in den Mund stecken will, krieg ich plötzlich . . . Schnackerlstoßen. In Panik wähl ich sofort - den Notruf? Blödsinn. Die Nummer von einem echten Experten. Seit seinem Herzinfarkt schluckt mein Lieblingsraucher nämlich pro Tag eine halberte Apotheke. Und was rät er mir, der Bernard G., dessen richtiger und vollständiger Name "sehr häufig" auf einem Rezept steht? Wie man einen Schluckauf wieder loswird, da hat er zwar auch keinen praktikablen Tipp, aber die Tablette soll ich mir auf keinen Fall reinschieben. Weil die würde mir den Rest geben (nachdem sie aus mir ja bereits ein seelisches Wrack gemacht hat). "Weißt, warum i so gsund bin, dass i so viele Krankheiten aushoit? Weil i nie an Beipackzettel lies. Ich erspar mir diese ganzen Nebenwirkungen."

(Vielleicht sollte ich den Schluckauf melden. Beim Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen. Damit die ihn in die Liste mit den Nebenwirkungen eintragen können.)