Holger Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover.
Holger Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover.

Auch wenn es am Ende dieser Versteigerung des ersten Porsche - Fachleute wissen Bescheid: Typ 64 - eine kleine Panne gab und das Fahrzeug nicht für 20 Millionen Dollar unter den Hammer kam, sondern gar nicht, zeigt die Szene doch gleichzeitig die Vergangenheit und die Zukunft des Automobils.

Denn man erfuhr eine Menge Wichtiges und weniger Wichtiges: dass Ferdinand oder Ferry den Wagen selber fuhr und der Sitzbezug noch original ist und mithin auch original Ferdinand- und Ferry-Sitzspuren aufweist; dass es erst ein Volkswagen war, aber dann unter dem Familiennamen renntauglich gemacht wurde, und dass eben damit eine Geschichte begann, die heute ein kulturelles Vermächtnis darstellt; und unter anderem, dass der Rennfahrer Mathé den Wagen 1949 erwarb und mit ihm die Österreichische Alpenfahrt 1950 gewann. Wer immer ihn kaufen wird, trotz der Versteigerungspanne, und irgendjemand wird es ja tun, wird dieses Auto vermutlich nie, allenfalls sehr, sehr selten fahren, ein paar Meter vielleicht auf dem Concours in Pebble Beach oder der Villa d’Este. Und damit ist ja eigentlich eine wunderbare Symbiose zwischen Ökologie und Automobil-Enthusiasmus geschaffen.

Die ist übrigens so selten nicht, denn man hört ja immer wieder, dass junge Konsumenten kaum mehr diesen Enthusiasmus entwickeln, der zum Besitz eines fahrtauglichen Statusträgers inspiriert. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Wenn man sich nämlich die weltweiten Bilder-Blogs wie Pinterest, Tumblr oder Instagram anschaut, spielen Autos eine wichtige und Porsches als Attraktoren jugendlicher Faszination eine zentrale Rolle. Und das meist gepostete Motiv der automobilen Kultur im Internet ist - der Porsche 356 aus den 50er und 60er Jahren, als Roadster, Speedster, Coupé, egal.

Die Preise jedenfalls sind nicht so, dass diese Faszination eine baldige Kaufabsicht nahelegt. Sodass man davon ausgehen kann, dass das Modell selber nur ein Transportmedium (Doppelsinn!) für die Faszination darstellt, weil es eine anschlussfähige Geschichte erzählt.

Wichtiger als der Besitz scheint die Kenntnis der Modelle zu sein: Connoisseurship. Denn es ist ja nicht nur das Auto, sondern seine Geschichte: James Dean in seinem Speedster, immer noch tausendfach gepostetes Motiv. Oder der 356er im Kultfilm "Bullitt".

Wie bitte? Porsche? In "Bullitt"? Ja, schaut mal genau hin, liebe Kolumnenkonsumenten: ein Porsche Cabriolet, und zwar der, den Jacqueline Bisset (als Cathy) pilotiert, und der seinen Einsatz findet, als Steve McQueen alias Bullitt seinen grün-metallic 68er Shelby Fastback zerlegt hat. Auch der war 50 Jahre verschollen und ist nun wieder aufgetaucht. Im Jänner des nächsten Jahres soll er versteigert werden, ohne Panne.

Wo Cathys Porsche heute ist, weiß leider keiner. Jedenfalls bietet der Blick in diese Szene einen innovativen Impuls der künftigen Kundschaft an die Entwickler. Classics sell!