Am Freitag saß ich dann auf einer Holzbank beim Neustifter Kirtag und schaute mir die Loveparade der Lederhosen an. Was natürlich nur so lange gut geht, so lange man dunkle Sonnenbrillen trägt. Aber dunkle Sonnenbrillen waren kein Problem. Dunkle Sonnenbrillen gehören zur Grundausstattung beim Neustifter Kirtag, genauso wie die Specklederne beim Herrn oder der Busenblitzer bei der Dame. Manchmal verliert sich die strenge Kleiderordnung zwischen den Geschlechtern. Das gefällt mir dann besonders gut.
Ich selbst habe keine Tracht getragen. Was klug war, sonst hätte mich am Ende noch wer mit einem Amerikaner verwechselt. Alle Amerikaner, die ich am Neustifter Kirtag reden höre, haben nagelneue Lederhosen an. Ihre Damen tragen Dirndl. Ständig macht wer ein Selfie von sich. Mich fotografiert keiner. Wahrscheinlich glauben die Amis, dass ich unmöglich aus Wien kommen kann. So wie der angezogen ist. Wenigstens bei der Ernährung bin ich traditionell. Ich habe mir das Menü bestellt. Das Menü am Neustifter Kirtag besteht aus einer Flasche Wein und einer Flasche Mineralwasser. Vorspeise gibt es keine.
Neben dem Wein und dem Wasser steht ein großer Elefant aus Jade auf dem Tisch. Der kommt nicht vom Nobelheurigen. Den großen Elefanten aus Jade habe ich mir am Flohmarkt der Neustifter Pfarrkirche gekauft. Ein sehr dicker und sehr schwitzender Mensch, der relativ ungewöhnlich genauso wie ich auch nicht in Tracht gekleidet war, meinte hinterher, er hätte den Elefanten auch gerne gehabt. Aber ich wäre eben schneller gewesen, sagt er. Dann schiebt er sich traurig davon. Draußen tönt die Volksmusik. Diesmal bleibt der Liedtext relativ leicht im Gedächtnis hängen. Er besteht aus zwei Worten. Halli Hallo. Mehr war da nicht.
Den Nachtisch zum Menü nahm ich schon wieder im neuen Schrebergarten ein. Der liegt so günstig, dass das leicht möglich ist. Ich stelle den Jadeelefanten schön zwischen den Blumentöpfen ab und greife gleich zur Gartenschere. Dem Rosenbusch sein Doktor Worseg. Das bin ich. Der Rest war ein Irrtum.