Irene Prugger, geb. 1959, Schriftstellerin und freie Journalistin, lebt in Mieming in Tirol.
Irene Prugger, geb. 1959, Schriftstellerin und freie Journalistin, lebt in Mieming in Tirol.

Als der US-Astronaut Neil Armstrong im Rahmen der Apollo-11-Mission am 21. Juli 1969 als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte, war ich zehn. Die Nachbarn luden uns damals in ihr Wohnzimmer ein, um die Berichte des spektakulären Ereignisses zu verfolgen. Was ich sah, faszinierte mich, das wollte ich auch! Nein, nicht auf dem Mond spazieren gehen, sondern dieses Wunderding, einen Fernseher.

Die Fernsehtechnik war damals für mich ebenso sensationell wie die Raumfahrttechnik. Ein quadratisches kleines Gerät, das mir die Erde zeigte und den Mond gleich dazu. Obwohl es Menschen in meiner Umgebung gab (wie zum Beispiel eine meiner Tanten), die miesmacherisch meinten, die Menschheit hätte auf der Welt genügend Probleme zu lösen, sie müsse sich nicht auf dem Mond herumtreiben, waren Euphorie und Zukunftsglaube ringsum ansteckend. Ich dachte, ich würde in eine Welt hineinwachsen, in der fast alle Probleme lösbar waren und alles zusehends besser würde. Das war ein gutes Gefühl.

Diesem Gefühl wollte ich nachspüren, als ich vor Kurzem die Ausstellung im Museum der Moderne am Mönchsberg in Salzburg besuchte: "Fly Me to the Moon - 50 Jahre Mondlandung". Dieser "große Sprung für die Menschheit" mutet trotz der mangelhaften Übertragungs-Bildqualität von damals heute noch genauso futuristisch an wie zu der Zeit, als ich ein Kind war. Fast verwundert es beim Betrachten der alten Aufnahmen, dass Neil Armstrong auf dem Mond kein Selfie geschossen hat.

Aber auch unbeeindruckte Menschen sah ich im Rahmen der Ausstellung auf Filmaufnahmen aus dem Jahr 1969 wieder: Ungeachtet der sensationellen technischen Leistungen (sie wurden gefilmt, zeitgleich ging ein Mensch auf dem Mond spazieren), erklärten sie moralisierend in die Kamera, die Mondlandung interessiere sie nicht, auf der Welt gäbe es so viele Probleme zu lösen, das Geld könne man besser nützen usw.

Dieses abgedroschene Argument könnte man gegen viele Errungenschaften vorbringen und zum Beispiel auch gegen jede Art von Kunst. Die Einzige, der ich solch verallgemeinernde Aussagen nachsehe, ist meine mittlerweile sehr alte Tante, die bekannt ist für ihre guten Topfentorten. "Da habt ihr euren Mond", sagte sie kürzlich, als sie die Torte servierte und wir auf die Mondlandung zu sprechen kamen, die sie noch immer als sinnlos aburteilt. "Mein Mond ist zumindest essbar!" Wir verzichteten darauf, ihr zu sagen, welche auch für sie nützlichen Neuerungen in Folge der Weltraumprogramme entwickelt wurden und langten zu. Die "Quark Side of the Moon" ist schließlich auch nicht zu verachten.

Eine Topfentorte gehört im Salzburger Museum der Moderne nicht zu den Ausstellungsstücken, dafür gibt es 280 Exponate, die sich mit der Faszination auseinandersetzen, die der Mond inklusive Raumfahrt auf die Menschen ausübt. Die Ausstellung ist noch bis 3. November 2019 zu sehen.