Wohin jetzt aber wirklich mit dem vielen Kohlendioxid, mit dem CO2? Das Gas daheim in Flaschen und Dosen zu lagern, schön gekühlt, das hat sich jedenfalls nicht sonderlich bewährt. Zumindest ist das keine sehr langfristige Lösung. Es also kurzerhand in Limonaden reinzupumpen. (CO2 plus H2O - und Getränke bestehen ja zum Großteil aus Wasser - ergibt, na? Richtig: Kohlensäure!) Sobald nämlich einer durstig wird: pffft! Entweicht es wieder, das CO2. Und es hat auch nicht jeder das Geld, um sich von seinen Abgassünden einfach freizukaufen und sich selber großzügig ein gutes Gewissen zu spendieren, nachdem man zum Beispiel mit dem Privatjet (pfui!) nach Nizza geflogen ist. Außerdem wird das CO2 durch diesen Ablasshandel nicht weniger, lediglich teurer.

Beim Herumlungern auf der Couch (natürlich nicht aus Faulheit, sondern allein wegen dem Klima, weil ich mir halt gedacht habe: Wer sich nicht bewegt und vor allem nicht herumgeht, hinterlässt keinen Fußabdruck), hab ich diesen ominösen CO2-Speicher dann durch Zufall entdeckt. Oder wenigstens einen etwas nachhaltigeren als die Cola-Dose. Mir ist also irgendwann fad geworden, und als ich mir was aus dem Bücherregal geholt habe, musste ich plötzlich schmunzeln. Witzig: eine gebundene Ausgabe vom "Molekül des Bösen". Nein, der Titel des Buches lautet nicht: "Das Molekül des Bösen", besagtes Molekül ist vielmehr da drin. Überall. Wie übrigens in jedem Buch, das auf Papier gedruckt ist.

Ach, kann man nicht einmal mehr ein Buch aufschlagen, ohne ein Treibhausgas zu emittieren? Doch, doch. Die Seiten lassen sich eh völlig gefahrlos umblättern. Man kann sogar Eselsohren reinmachen, und nix entweicht. Das CO2, das der Baum aus der Luft gefiltert hat (und Papier wird bekanntlich aus Bäumen gemacht), bleibt hier ein für alle Mal gebunden. Selbst in Taschenbüchern. Oder eigentlich bloß das C vom CO2. (Der Kohlenstoff.) Das O2, den Sauerstoff, hat uns der Baum ja längst diskret wieder zurückgefurzt. Quasi. Zugegeben, wie das mit der Photosynthese ist, das hab ich gegoogelt. Und 100 Google-Suchen sollen immerhin so schlimm sein wie das Bügeln eines T-Shirts, und das entspricht angeblich dem Ausstoß von 20 Gramm CO2. Na und? Ich bügle meine Leiberln sowieso nicht. Um Strom zu sparen. (Okay, weil ich faul bin.) Müssten für mich dann nicht 100 Anfragen an Google pro Tag frei sein? (Gut, 50. Man kann ein Leiberl doch schließlich ein zweites Mal anziehen, oder?)

He, wäre es nicht weniger aufwendig, die Bäume einfach im Wald stehen zu lassen, und wenn man unbedingt was lesen will, lädt man sich halt ein E-Book runter? Zu riskant. Wie oft ist in diesem Sommer über Waldbrände berichtet worden, hm? Und wie viele Buchhandlungen sind abgefackelt worden? Genau. Und was sich in meinem Bücherregal befindet, dessen Kohlenstoff kann sich definitiv nimmer bei einem Waldbrand in CO2 zurückverwandeln. Bei einem Zimmerbrand allerdings schon. Wurscht. Kann mir ohnedies nicht passieren. (Ich bin Nichtraucherin, hallo?)

Tja, früher waren ein Dan Brown oder eine Rosamunde Pilcher für mich um nichts besser als irgendein Borkenkäfer. Baumschädlinge eben. Heute sind sie meine Klimahelden. Weil kein Buch speichert so viel CO2 (Tschuldigung: C) wie ein Bestseller. Man muss ihn ja nicht lesen, nur kaufen.