Mein Interesse an der Politik begann, als sich Bruno Kreisky ein Haus auf Mallorca kaufte, weil ihm der Wörthersee zu teuer war. Meine Eltern hatten damals ein Hotel in Kärnten. Am Stammtisch unterm ausgestopften Auerhahn sind meistens Jagdfreunde meines Vaters gesessen, die nach Blut und Schweiß und tiefem Wald gerochen haben. Ab und zu durften sich auch ein paar Urlauber unter die Jäger mischen. Solche nämlich, die schon derart viele Deutsch-Mark in Kärnten verstreut haben, dass der Wirt die Goldene Gästenadel gar nicht mehr auspacken muss. Solche Deutsche musst du am Stammtisch sitzen lassen, sonst fahren sie irgendwann doch nach Italien weiter oder sie fliegen gleich nach Mallorca. Prekär genug die Lage und dann das. Danke sehr, Bruno Kreisky. So bin ich aufgewachsen.

Aus meiner Sicht kamen die ersten Urlauber, die genug Punkte gesammelt hatten, um am Stammtisch sitzen zu dürfen, aus Pforzheim. Das ließ viel Freiraum für Interpretationen offen. Auch in der Schule. Die Pforzheimer haben nicht nicht über Kreisky diskutiert, das war zu früh, aber da sie trotzdem eine politische Meinung hatten, die nicht unbedingt zur Stimmung am Stammtisch passte, wurden sie zwar beim ersten Bier in Ruhe gelassen, aber gleich danach dauernd niedergeschrien. Das ging den ganzen Urlaub so. Am Abend wurden die Deutschen am Stammtisch niedergeschrien und am Morgen im Frühstücksraum wurden sie breit angelächelt. Tagsüber waren sie eh nicht da. Oder sie hingen am Pool ab. Der Pool war politfreie Zone. Da saßen auch keine Jäger. Nur ab und zu der Taxifahrer Thaler.

Der Taxifahrer saß wegen der Damen da. Nie wegen der Politik. Einmal hat ihm der nervöse Windhund von der Künstlerin aus Wien, die immer mit Hund und Karmann Gia kam, in die rechte Hand gebissen. Die Wunde musste vom Arzt versorgt werden, auch wenn der Thaler so tat, als wäre nichts gewesen. Der Abend am Stammtisch wurde sehr interessant. Die Polit-Experten meinten, der Taxifahrer hätte Kreisky gelobt, das wäre sogar dem Hund zu viel geworden. Die frivole Fraktion wusste verlässlich von einem fatalen Handgriff zu berichten. Ich weiß es nicht. Aber wo schon die Wallungen pensionierter Burgschauspielerinnen den politischen Wahlkampf mitbestimmen, darf ich auch solche Geschichten erzählen. Eventuell kann eine Partei sie ja gebrauchen. Ich mache auch ein Video.