Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Die gute Nachricht zuerst: Dieser Wahlkampf wird weiter von den wirklich wichtigen Themen der Zukunft dominiert: Klimawandel, Pflegenotstand und Bildung. Die schlechte: Niemand interessiert sich für Themen. Dafür gibt es neue Berichte über angebliche schwarze Kassen bei der Volkspartei. Der Ex-Kanzler reagiert im TV-Interview wie stets äußerst souverän: "Schauen Sie, die Aufgabe der Politik ist, die Mittel der einen Seite (Handbewegung) einzustreifen (Handbewegung) und mäßigend (Handbewegung) zu verteilen (Handbewegung). Deshalb sind wir (Handbewegung) auch stolz darauf (Handbewegung), den Österreicherinnen und Österreichern (Kopfbewegung und ein ganz ein liabes G’schau) sagen zu können: Wir sind das! Wir sind die Mittelmäßigen! (Der Interviewer legt vor Glück ein Ei)."

Und kurz bevor sich Harmonie wieder wie Mehltau über das Land legt, tauchen neuerliche Recherchen über türkise Buchführungen auf. Und so enthüllt Sebastian Kurz schließlich, dass er draufgekommen ist, dass ihm diese "Volkspartei" heimlich, nachts und gegen seinen Willen ans Bein gebunden wurde. Er wisse nicht von wem, aber: "Ob das ein Mühl-, ein Gold- oder ein Kupferstein ist, ist egal (Heiterkeit im Auditorium), sicher ist, ich werde meinen Weg fortsetzen (frenetischer Applaus, im Publikum kommt es zu Marienerscheinungen)."

Der Generalsekretär muss anschließend jenen Journalisten, die er für würdig genug hält, ihm zu lauschen, erklären, dass weder die neue Volkspartei noch die alte ÖVP existieren, trotzdem sämtliche Parteigremien alle Schuld, die sie aufs Heftigste von sich weisen, auf sich nehmen und selbstverständlich Sebastian Kurz in seinem Kurs unterstützen, immer mit voller Kraft und im demütigen Wissen, dass es sie ohne ihn eigentlich gar nicht gäbe. Anschließend wird er ins AKH gebracht, wo er mühsam wieder entknotet werden muss.

Die FPÖ dagegen wird mit einem Bericht konfrontiert, dass ein von ihr 17 Monate lang geführtes Ministerium möglicherweise Aufträge an eine Firma vergeben habe, die vorher der Partei große Zahlungen . . . aber da kommt gerade die Meldung herein, dass Sebastian Kurz ein Eichhörnchen von der Fahrbahn gerettet und in den Schönbrunner Schlosspark gebracht hat. Die Chefredakteurin einer Tageszeitung bricht darob vor Rührung in Tränen aus. Die Tränen werden gedruckt.

Die Parteichefin der SPÖ geht in die Offensive und verlautbartet live in der "ZiB 2", dass sie und ihre Partei wild entschlossen sind (und dabei schaut sie sehr, sehr finster drein, so finster, dass dem einen oder anderen Vierjährigen tatsächlich der Schiach geht), in Zukunft möglicherweise, aber mit vollem Bewusstsein für die Situation, und das möchte sie jetzt in aller Klarheit betonen, auf jeden Fall unbeirrbar . . . aber da ist leider die Sendezeit schon um. Und der Anchorman eingeschlafen.

Peter Pilz gibt ein Interview, weil der Interviewer sich nicht rechtzeitig verstecken konnte. Beate Meinl-Reisinger lacht in einem TV-Interview sehr, sehr authentisch und sagt einen Satz mit "Wirtschaft". Werner Kogler nimmt einen Schluck Kernöl.

Am Wahlabend dann die Überraschung: 96 Prozent haben Peter Filzmaier gewählt.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

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