"Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank." Man kann glatt Bertolt Brecht bemühen, um die momentane Stimmungslage in Bezug auf die Finanzindustrie zu illustrieren. Damit ist freilich weniger die Sphäre der Wall Street, des Londoner Finanzdistrikts oder der Deutschen Bank in Frankfurt am Main gemeint, sondern die Hausbank ums Eck. Think global, react local. Im Zuge der Umstellung des elektronischen Zahlungsverkehrs auf neue Sicherheitsstandards hört man vielfach lautes Stöhnen, Fluchen, Rätselraten.

Auch ich habe meinen - übrigens sehr netten und verständigen - Bankbetreuer kontaktiert, weil ich gerne von ihm wissen möchte, wie das denn in Zukunft funktionieren soll mit der sogenannten Zwei-Faktor-Authentifizierung. Ein Beispiel: Eine Mitarbeiterin meiner kleinen Firma erledigt mit meiner Zustimmung alle Überweisungen. Nun meint sie, sie würde bald schon bei jedem Einstieg ins Online-Banking telefonisch mit mir Kontakt aufnehmen müssen, um Transaktions-Codes abfragen zu können, die mir die Bank auf eine App auf meinem Smartphone senden würde. "Und wie geht das, wenn ich in Vietnam bin und Du mich nicht erreichst?", habe ich sie gefragt. Die Antwort wollen wir beide vom Kundenbetreuer der Bank Austria hören. Ob ich mich auf den Termin freuen soll, ist noch unklar. Wie vieles andere in diesem Kontext auch.

Freilich können die Bankiers vor Ort wenig für die Malaise. Dahinter steckt ein EU-Regulatorium, das offenbar die Reaktion auf eine für Laien nebulose "konkrete Bedrohungslage" ist. Derlei erinnert an die demonstrative Beschwörung von Hacker-Angriffen, Datenlecks und Cyberkriminalität, wie sie gerade hoch in Mode steht - für unsereins, der/die je weder eine rauchende Pistole noch einen aufgebrochenen Tresor zu Gesicht bekommt, bleibt es ein Abstraktum. Eines von vielen der Wirren der digitalen Revolution.

Warum etwa die "Push App" der Bank Austria so schneckenlangsam ist im Vergleich zum alten SMS-Service, muss mir auch bei Gelegenheit jemand erklären. Besonders nervig auch der Visa Card Complete Service ("Mehr als gute Karten!"), der für den neuen "3-D Secure" Sicherheitsstandard eine "Complete Secure"-Online-Registrierung im "Complete Control Online Serviceportal" verlangt. Complete, Pardon: komplett gaga. Das Verfahren steht nämlich oft stundenlang nicht zur Verfügung ("Wir verbessern unseren Service!"). Man bittet um Verständnis.

Wofür ich allmählich wirklich Verständnis entwickle, ist, dass junge Start-up-Banken, FinTech-Konstrukte und Finanzservices erblühen. Beispiele: N26, Klarna, Liqid oder Revolut. Ihr Nährboden ist die Trägheit der Alteingesessenen. Ihre Apps sind - zumindest auf den ersten Blick - verständlicher und charmanter als die der Marktführer. Und sie sprechen eine klarere Sprache, zumindest für die Internet-Generation. Wird man in Zukunft seine Bank schlicht nach Bequemlichkeits-Kriterien wählen? Ob dann auch noch das alte, unbequeme Diktum von Henry Ford gilt? Es lautet: "Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen Früh."