"He, hast schon g’hört? Du hast jetzt weniger Arbeit." - "Blöd, weil eigentlich hätt i gern mehr Arbeit. Oder überhaupt ane." Okay, vielleicht ist ein Langzeitarbeitsloser nicht der richtige Gesprächspartner für dieses Thema. Die Mülltrennung ist für ihn jedenfalls ab sofort viel bequemer. Er muss die Plastikflaschen und die Dosen nämlich nimmer in separaten Sammelcontainern entsorgen ("moch i eh ned"), sondern kann beides einfach in denselben werfen. ("Tu i sowieso. In die Schwoaze Tonne." - "Die is für’n Restmüll." - "Jo eh.")

Die Gelbe Tonne (Plastik und Tetrapaks) schluckt also die Blaue (Metall). Und bis zum Frühling sollte sie in ganz Wien damit fertig sein. Nicht, dass sie dann überall doppelt so groß ist, aber sie wird schöne blaue Augen haben. (Die zwei Löcher, die aus dem Deckel oben rausglotzen, kriegen einen blauen Rand.) Hm. Ist das irgend so eine Beschäftigungstherapie für ältere Arbeitslose? Zuerst den Abfall mutwillig zusammenmischen, und die unvermittelbaren 50-Plussis dürfen ihn nachher wieder sortenrein auseinanderpflücken? I wo. Sogar den Job noch nimmt ihnen wer weg. Eine vollautomatische Sortieranlage. Dafür ist die Kombitonne gut fürs Klima. Müssen nicht mehr immer zwei Müllautos kommen. Und womöglich braucht man auch gar keins mehr. Falls die Leute total überfordert sind (bei welcher der beiden Einwurföffnungen schmeiß ich denn nun die Dosen rein und bei welcher die PET-Flaschen?) und alles lieber in den Restmüll stopfen, um bloß nix falsch zu machen. Immerhin geht’s hier um die Zukunft des gesamten Planeten. Na ja, eventuell sollte man als nächsten Schritt die Gelbe Tonne 2.0 mit der Schwarzen Tonne (Restmüll) vereinigen. Würden gleich viel weniger "Fehlwürfe" passieren.

Das "Trenn-ABC" auf www.wien.gv.at hab ich natürlich gelesen. Schraubverschlüsse aus Kunststoff sind Restmüll? Heißt das, ich muss die wegtun, bevor ich meine Colaflaschen einlochen darf? Und meine bisherigen Würfe waren ungültig und sind beim Recycling nicht berücksichtigt worden? Am Misttelefon der MA 48 hat man mich beruhigt. Es wäre gemeint, "wemma nur an Schraubverschluss hat, ohne Flasche". Ansonsten benötigt man ihn ja, damit beim "Knick-Trick" (Verschluss aufdrehen, Flasche plattdrücken, Boden umknicken, Verschluss zudrehen) die Luft draußen bleibt. (Mehr Platz in der Tonne!) Wurscht. Jetzt wo ich weiß, dass ich meinen Laptop drei Stunden lang betreiben kann, allein mit der Energie, die durchs Recycling einer einzigen Dose eingespart wird, werde ich mein Cola ohnedies aus der Dose trinken. Vier Dosen pro Tag werde ich in mich reinschütten müssen. (Bernard G., mein Lieblingsarbeitsloser, dessen richtiger und vollständiger Name auf der flach zusammengefalteten Schachtel eines Versandhändlers in einem Altpapiercontainer im zwölften Bezirk steht: "I glaub, du host do wos missverstanden. Die Energie wird g’spart, ned erzeugt.")

Und meine alten Pfannen? (Früher: Blaue Tonne.) Wie krieg ich die durchs Loch? Gibt’s dafür auch einen "Knick-Trick"? Nein. "Was größer als 20 Zentimeter ist, geht da nicht mehr rein." Zum Mistplatz soll ich? Die mobile Problemstoffsammelstelle wäre ebenfalls eine Option? Ach, ist mir zu weit. Ein bissl Restmüll sollte ich außerdem eh noch übrig lassen. Zum Verbrennen. Für die Fernwärme. Sonst muss ich kalt duschen.