Zauberort mit k.k.Flair: "extra"-Redakteur Gerald Schmickl am Turfgelände der Wiener Freudenau. - © Schmickl
Zauberort mit k.k.Flair: "extra"-Redakteur Gerald Schmickl am Turfgelände der Wiener Freudenau. - © Schmickl

Ein bisschen fehlt er in diesem - trotz aller Emotionen - faden Wahlkampf. Frank Stronach nämlich, der zumindest in TV-Auftritten und -Duellen unberechenbar war, wenn schon sonst fast nichts. Es ist schon erstaunlich, wie wenig von diesem Mann, der in vielen Bereichen angetreten war, unser Land zu verändern, geblieben ist. Politisch ist seine Bewegung völlig tot, die Wiener Aus-tria hat sich bis heute nicht von seinem Einstieg (und dann Weggang) erholt - und auch der Galopprennsport, wo man von Stronach noch am meisten erhoffen durfte, ist am Dahinsiechen. Das letzte Lebenszeichen gibt er an diesem Sonntag, wenn in Ebreichsdorf die einzigen (!) Rennen in Österreich heuer gelaufen werden, darunter das 151. Galopperderby.

Der Niedergang dieses traditionsreichen Sports ist freilich nicht in erster Linie Frank Stronach anzulasten - er war sogar eine Zeit lang dessen Lebensretter. Sein in die Sümpfe des niederösterreichischen Flachlandes gebautes (und 2004 eröffnetes) Magna Racino garantierte immerhin einige Jahre lang einen Rennbetrieb. Dass Ebreichsdorf nicht an die Wiener Freudenau heranreichte, diesen mit Tradition und Atmosphäre vollgesogenen Zauberort hinter dem Lusthaus, war allerdings auch rasch klar. Aber im Prater waren kaum noch Rennen möglich, nachdem die Stadt Wien das Gelände einer Immobilienagentur überließ, die am Pferderennsport nicht das geringste Interesse hatte.
Otto Eder, Kantinenbesitzer in der Freudenau, hatte damals einen prognostischen Blick, was die Zukunft der Rennbahn und des Sports generell betraf. In der Fan-Zeitschrift "GaloppExpress" (auch sie wird eingestellt) wird er folgendermaßen zitiert: "Da kommen jetzt ein paar Grafen, die wollen alles umdrehen. Aber die Freudenau ist eine eigene Republik und hat ihre eigenen Gesetzte. Wenn die Freudenau zusperrt, ist der Sport hin . . ."

Zuletzt wurde in der Freudenau im Herbst 2017 rennmäßig geritten - unter regem Zuschauerinteresse . . . - © Schmickl
Zuletzt wurde in der Freudenau im Herbst 2017 rennmäßig geritten - unter regem Zuschauerinteresse . . . - © Schmickl

Ein paar Zahlen verdeutlichen den Niedergang: 1991 konnten in der Freudenau noch 31 Renntage abgehalten werden - 2005 waren es nur noch zwei, ab 2009 kein einziger mehr. 2017 gab es einen Hoffnungsschimmer, als der Wiener Gastwirteverband eine Veranstaltung mit dem großspurigen Namen "Ascot in Wien" abhielt, in deren Rahmen auch Galopprennen stattfanden. Tausende stürmten das Turfgelände mit den pittoresken k.k. Gebäuden und Tribünen - und zeigten damit, dass Interesse und Publikumszuspruch vorhanden wären. Aber es blieb bei diesem einmaligen Aufflackern in der Freudenau.

Im Magna Racino lief der Rennbetrieb mehr schlecht als recht, sodass sich die Eigentümer 2007 davon ebenfalls zurückzogen - und danach nur noch private Veranstalter, hauptsächlich der Verband der Pferdebesitzer, Rennen abhielten, wobei es von Jahr zu Jahr weniger wurden - mit dem kümmerlichen Rest in diesen Tagen.

Nostalgischer Charme des Verfalls: Wettkassen in der Freudenau . . . - © Schmickl
Nostalgischer Charme des Verfalls: Wettkassen in der Freudenau . . . - © Schmickl

Nicht ganz so schlimm wie in Österreich, aber ebenfalls traurig ist die Situation der Galopper in ganz Europa. Überall sind die Wettumsätze rückläufig - und auch die Dotationen der Rennen. Selbst in England und Frankreich, den Mutterländern dieses Sports, gehen Rennen und Preise zurück.

Dafür blüht das Geschäft anderswo: In Saudi-Arabien etwa steigt im nächsten Jahr das mit 20 Millionen Dollar höchstdotierte Galopprennen der Welt. Und auch in den USA gibt es lukrative Rennserien - u.a. dank Frank Stronach, der als Besitzer und Veranstalter weiterhin kräftig umrührt. Vielleicht sollte er dort auch auf Politik umsatteln - und gegen Donald Trump antreten. Es wäre ein Rennen auf (geistiger) Augenhöhe.