Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Programm heißt "Gut möglich", er spielt es am 20. und 21. September im Kabarett Niedermair.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Programm heißt "Gut möglich", er spielt es am 20. und 21. September im Kabarett Niedermair.

Das Oktoberfest ist bekanntlich eine Pest. Ein gesellschaftliches Virus. Es breitet sich aus. Pandemie-artig. Es gibt nämlich das Oktoberfest nicht nur in München, sondern auch in Hannover, Frankfurt, in Brasilien, den USA und sogar in Wien. Die "Wiener Wies’n" ist eine kulturelle Bankrott-Erklärung. Tausende Besoffene torkeln in Lederhosen und Dirndln durch den Prater und feiern, also saufen, anlässlich eines nachgemachten Festes. Ein Fest, das jedes Jahr 400 Kilometer weiter westlich in der bayrischen Hauptstadt begangen wird zur Erinnerung an eine königliche Hochzeit von 1810. Dabei ist der Adel längst abgeschafft, der Staat eine Republik (beziehungsweise ein Freistaat) und selbst die Landbevölkerung trägt heutzutage Blaumann und Jack-Wolfskin-Hosen, wenn sie den Melkrobotor auf dem Smartphone steuern - und keine Krachlederne. Das Ganze ist also so authentisch und echt wie Wildwasser-Rafting in der heimischen Badewanne. Aber egal, Hauptsache: Bier!

Wo bleiben eigentlich die Verteidiger der heimischen Lebensart, wenn uns bajuwarische Kultur-Imperialisten heimsuchen? Wo sind die? Im Festzelt.

Ich bin dafür, dass wir unser eigenes Volksfest gründen und in jahrzehntelanger zukünftiger Tradition pflegen. Ist ja nicht so schwer. Man nehme ein beliebiges historisches Ereignis und gedenke einmal im Jahr - mit ausreichend Alkoholausschank - daran. Und schon hat man ein identitätsstiftendes Volksfest mit touristischem Mehrwert. Wie wäre es etwa mit einem dreiwöchigen Unabhängigkeitsspektakel im Belvedere? Im Andenken an Leopold Figls "Österreich ist frei"-Sager. Auch wenn der Ausspruch nicht belegt ist, wäre das sowohl ein einheimischer wie auch republikanischer Anlass zu feiern. Und wer so viel trinken kann wie der Figl damals, darf einmal vom Balkon des Belvedere der ebenso leicht illuminierten Masse entgegenwinken.

Oder - für die Freunde der Natur und des wilden Lebens - könnte man auch in der Stopfenreuther Au bei Hainburg die Konflikte um das Kraftwerk damals nachstellen. Wenn man im Oberammergau alle zehn Jahre eine Kreuzigung aus dem Jahr 33 nachstellt, warum nicht auch das Demonstrant-und-Gendarm-Spiel von 1984 wieder aufleben lassen? Und jedes Jahr wird gelost, wer die Gendarmen und wer die Demonstranten sein dürfen.

Man könnte natürlich auch den Cordoba-Triumph von 1977 im Praterstadion nachspielen. Nur wer möchte die deutsche National-Elf spielen?

Ich glaube, das Vernünftigste wäre, ein Ereignis aus der jüngsten Vergangenheit zu nehmen. Eins, das alle kennen und wo auch für ausreichend Alkohol gesorgt ist. Lasst uns die Ibiza-Festspiele ins Leben rufen. Auf einer extra dafür errichteten "Villa" auf der Donauinsel finden sich drei Herren und zwei Damen als Darsteller ein und schütten sich sieben Stunden zu. Das Publikum rundherum versucht, mit dem Alkoholkonsum Schritt zu halten und spricht - wie bei der "Rocky Horror Picture Show" - die wesentlichsten Passagen mit. "Bist Du deppat, ist die schoaf!" und "Glock!" wird es aus tausenden Kehlen in den Nachthimmel schallen. A bsoffene Gschicht halt. Und ein garantierter Erfolg.

Das machen wir dann so lang, bis es uns die Bayern nachmachen.